le notti erotiche dei morti viventi (joe d’amato, italien 1980)

Veröffentlicht: Dezember 17, 2015 in Film
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le-notti-eroticheWie gut, dass ich diesen Film erst heute, im Trenchcoat-kompatiblen Alter, und nicht damals, während meiner jugendlichen Sturm- und -Drangphase der Splatterfilm-Leidenschaft gesehen habe. Ich hätte seine somnambule, sonnendurchflutete Langsamkeit, seinen wie Luftfeuchtigkeit träge im Raum hängenden Hauch von Plot, der sich verflüchtigt, nachdem er einem nur sanft den Schritt befeuchtet hat, nicht zu schätzen gewusst. Stattdessen hätte ich mich gewiss königlich gelangweilt und mich über die miserablen Make-up-Effekte geärgert, bei denen Meister Schmalhans Küchenmeister war. Ich hätte Joe D’Amato, wie es heute immer noch vielerorts üblich ist, als Dilettanten beschimpft und des frechen Etikettenschwindels bezichtigt. Und den hart und pochend hervorstechenden, dann wieder warme und feuchte Geborgenheit bietenden Verlockungen der Hardcore-Fassung hätte ich mich schon gleich aus Prinzip verschlossen. Ignoranz, das Privileg der Jugend.

Vom lieben Christoph Draxtra von den Eskalierenden Träumen habe ich mir erklären lassen, das LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI (deutscher Titel: IN DER GEWALT DER ZOMBIES) zu D’Amatos „dominikanischem Zyklus“ zu zählen ist, einer Gruppe von ca. vier, fünf Filmen (zu denen auch der tolle PAPAYA DEI CARAIBI gehört), die der Meister Ende der Siebziger/Anfang der Achtzigerjahre in der dominikanischen Republik, wahrscheinlich wenigstens teilweise back-to-back gedreht hat. Sofern ich das nach zwei gesehenen Teilen behaupten kann, zeichnen sich diese Filme durch ein sommerliches Urlaubsflair, Improvisation, Langsamkeit und Leere, viel spontan anmutenden Sex und ein sehr entspanntes Verhältnis zu „Handlung“ oder „Dramaturgie“ aus. In beiden Fällen dient die Genrefilmschablone lediglich dazu, den Film in Gang zu schieben, einen Startpunkt zu haben, von dem aus man den losen Lauf der Dinge mal hierhin mal dorthin mäandern lassen kann. Die Darsteller genießen, wahrscheinlich ebenso wie die Crew, Sonne, Meer und die makellose Haut der einheimischen Schönen, die bescheidenen Erfordernisse der Regie und die Beglückungen des trägen Müßiggangs fließen untrennbar ineinander, befruchten sich in einem ausdauernden, zärtlichen Gangbang ständig gegenseitig. LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI dürfte der mit Abstand entspannteste und gleichgültigste Zombiefilm aller Zeiten sein, und wenn D’Amato am Ende noch einmal ein bisschen auf die Tube drückt, um die Illusion eines Horrorfilms aufrechtzuerhalten, dann möchte man ihm aus halb liegender Position und mit dem Cuba LIbre in der Hand zurufen: „Mach dich mal locker, Joe! Komm her, setz dich rüber zu uns in den Sand. Wir haben doch Zeit. Und die Laura möchte gern fummeln!“

Ich bin gegen Ende ein bisschen weggeschlummert und wenn ich wieder zu mir gekommen bin, habe ich festgestellt, eigentlich nix verpasst zu haben. Es liegt etwas unheimlich Anheimelndes, Vertrauenerweckendes in diesem Film. Man kann gut bei ihm einschlafen und muss sich nicht fürchten, völlig desorientiert aufzuwachen oder gar von fiesen Geräuschen aufgeschreckt zu werden. Man kann Urlaub machen mit LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI. Und wenn man die Zombies nicht ärgert, dann lassen sie einen auch in Ruhe.

Kommentare
  1. […] Das Werk Joe D’Amatos erfreut sich seit einiger Zeit steigender Popularität – die schreibende Zunft der Genrefilmliebhaber rezipiert seine Filme umfassend, und auf kleineren Filmfestivals – zuletzt dem Nürnberger Hofbauer-Kongress im Januar – widmet man sich „Onkel Joe“, dem neben Jess Franco wohl umtriebigsten Vielfilmer der italienischen Filmgeschichte der 70er und 80er Jahre, mit liebevollen Mini-Retrospektiven. Auch ich, der bis Ende vergangenen Jahres noch keinen einzigen seiner Filme kannte, konnte mich der allgemeinen Begeisterung nicht entziehen und stieg mit der unaufgeregten Zombie-Sexfilm-Verschränkung Le notti erotiche dei morti viventi (1980) ins Werk des Regisseurs ein. Ein zweifelsohne interessanter, in seiner hedonistisch-bekifften Laissez-faire-Attitüde auch sehr ungewöhnlicher Vertreter der Früh-80er-Zombiewelle, der mich allerdings eher rat- und auch etwas teilnahmslos zurückließ. (Einen schönen und aufschlussreichen Text zum Film, dem ich mich mittlerweile – nach Genuss etwa eines Dutzends weiterer D’Amato-Werke – durchaus anschließen kann, gibt es von Oliver Nöding auf Remember it for later.) […]

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