chikyū kogeki meirei: gojira tai gaigan (jun fukuda, japan 1972)

Veröffentlicht: Oktober 25, 2017 in Film
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Das Godzilla-Franchise lebt noch, aber es ist merklich ins Trudeln geraten: Seit KAIJÛTO NO KESSEN wurden die Budgets kontinuierlich reduziert und durch Beigaben wie Godzillas knuffiges Söhnchen Minira versucht, neue Zuschauer zu gewinnen. Diese Bemühungen kulminierten dann schließlich im Kleinkinderfilm GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI und dem drogeninduzierten, leider kommerziell gescheiterten GOJIRA TAI HEDORA von Yoshimitsu Banno. Mit GOJIRA TAI GAIGAN war es an der Reihe von Jun Fukuda, Godzilla wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen. Zwar konnte er letzten Endes keine wesentliche Trendwende einläuten, aber es gelang ihm immerhin, wieder einen „ernsteren“ und moderneren Kaijû zu machen, der die Wurzeln der Reihe mit den seit den Sechzigern doch etwas gereifteren Ansprüchen des Publikums zu versöhnen.

Fukudas Protagonist ist der jobsuchende Manga-Zeichner Gengo (Hiroshi Ishikawa), dessen neueste Monsterkreationen leider niemanden so wirklich zu begeistern vermögen – außer dem Begründer eines Godzilla-zentrierten Themenparks für Kinder. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei diesem um einen Außerirdischen handelt, dessen Heimatplanet von einer menschenähnlichen Rasse unbewohnbar gemacht wurde. Nun will er den Themenpark als Basis für seine feindliche Übernahme gründen. Gengo ruft Godzilla und Anguirus zur Hilfe. Es kommt zur Schlacht zwischen den beiden Monstern sowie den aus dem All herbeieilenden King Ghidorah und Gigan …

GOJIRA TAI GAIGAN gönnt sich eine echte Exposition für seinen Helden und erinnert im Aufbau durchaus ein wenig an die politischen Paranoiafilme des Jahrzehnts: der nichtsahnende Protagonist, der durch einen Zufall in ein großes Komplott stolpert, das sich hinter einem Wirtschaftsunternehmen verbirgt. Auch wenn die Handlung dann mit der Enttarnung der Außerirdischen – es handelt sich um riesige Küchenschaben! – und dem Auftauchen der Monster erwartungsgemäß Richtung Quatsch kippt, das putzige Setting des Godzilla-Parks an die selbstreferenziellen Pop-Ausflüge der Reihe erinnert, ist GOJIRA TAI GAIGAN einer der düsteren Einträge in dem sonst so infantilen Franchise. Das liegt nicht nur am Look der Zeit, sondern auch daran, dass Fukuda auf ein sauber und straff strukturiertes Drehbuch zurückgreifen kann, das die Vorlage für eine actionlastigere Inszenierung ist: Parallel zum Monster Mash müssen die Helden den Godzilla-Turm stürmen und einen Gefangenen befreien. Da kommt fast Söldnerfilm-Stimmung auf! Bevor man aber allzu aufgeregt wird, senken die ausgedehnten Monsterkeilereien den Blutdruck. So süß das grundsätzlich auch ist, nicht nur sinkt ihr Reiz nach x gesehenen Filmen auf ein gesundes Normalmaß, gleiches gilt auch die Toleranzschwelle angesichts der epischen Breite, mit der die nun nicht eben filigran choreografierten Kämpfe ausgewalzt werden. Ob Gaigan nun irgendwie cool oder nicht doch total bescheuert aussieht, habe ich auch noch nicht abschließend entschieden, tendiere aber zu letzterem. Ich habe GOJIRA TAI GAIGAN schon als Kind ein bisschen ermüdend gefunden: Der Film hat einen klinischen, leblos-perfektionistischen Touch, der möglicherweise etwas mit dem Budget zu tun hat. Nicht nur wirken die Sets auffallend unterbevölkert, in den Modellbaustädten sind auch die Autos längst zum Stillstand gekommen.

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