safe (boaz yakin, usa 2012)

Veröffentlicht: Oktober 23, 2019 in Film
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Ein Film, über den man nicht allzu viele Worte verlieren muss und es deshalb auch nicht tun sollte: Jason Statham ist Luke Wright, ein Ex-Elite-Krieger/Cop turned Cage Fighter, der zum Beschützer eines kleinen chinesischen Mädchens wird, das ein Mathegenie und im Besitz einer Safekombination ist und deshalb von chinesischen Triaden, der Russenmafia und korrupten Bullen quer durch Manhattan gejagt wird.

Boaz Yakin, der das Script zum Dolph-Lundgren-PUNISHER sowie zum Eastwood-Film THE ROOKIE beisteuerte, sein beachtliches Regiedebüt 1994 mit FRESH feierte,  Denzel Washington in REMEMBER THE TITANS inszenierte und nebenbei noch Zeit fand, HOSTEL und HOSTEL 2 zu produzieren, ist sicher ein fähiger Mann, aber auch er kann diesem generischen Actioner kein Leben einhauchen – was angesichts der Tatsache, dass er selbst das Drehbuch lieferte, schon ein bisschen schwach ist. Für SAFE reiht er ein Klischee ans nächste, versäumt es dabei völlig, auch nur ansatzweise in die Tiefe zu gehen und seinen Figuren und Vorgängen jene Konturen zu verleihen, die einem Film erst eine eigene Identität geben. Die kompetent gemachten, außerdem ziemlich ruppigen Actionsequenzen verpuffen, der völlig überzogene Bodycount gerät dem insgesamt so umambitionierten und anonymen Film eher zum Nachteil. Die Redensart „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ kommt einem unweigerlich in den Sinn. Aber auch sonst gibt es einige fragwürdige Entscheidungen: Nachdem der Held zu Beginn in einem gefixten Cagefight, den er eigentlich verlieren sollte, seinem Gegner nicht nur nicht unterliegt, sondern diesen auch noch totschlägt, revanchiert sich die Mafia mit der Ermordung seiner Ehefrau. Die Gattin wird nie gezeigt, weder lebendig noch tot, und der Drehbuchkniff, dem Protagonisten mit ihrer Ermordung einen Schlag zu verpassen, kommt einem so nicht nur noch leerer vor als er ohnehin schon ist, der Schachzug wirkt auch irgendwie zynisch und abgeschmackt.

Es gab in dem ganzen, zunehmend egaler werdenden Spektakel exakt eine wirklich gelungene Szene, eine witzige Idee, die mir ein herzhaftes Lachen entlockte: Weil sie seine Hilfe benötigen, müssen die korrupten New Yorker Cops widerwillig mit dem verhassten Ex-Kollegen zusammenarbeiten und der nutzt ihre Abhängigkeit weidlich aus. Als er sie trifft, drücken sie ihm ein Päckchen in die Hand, das er offensichtlich im Vorfeld von ihnen angefordert hat. Es entpuppt sich als Sandwich, das Wright genüsslich und in aller Ruhe auspackt und vor ihnen verspeist, während sie fast platzen vor Wut, aber natürlich nichts tun können. Genau solche Ideen braucht ein Actionfilm, der nicht mit einer originellen Story, fetten Effekten, visueller Brillanz oder exzeptionellen Stunts aufwarten kann, vor allem aber ist Hauptdarsteller Statham von solchen Details abhängig: Wenn er sie bekommt, funktioniert er als Held, ansonsten wirkt er schnell gelangweilt und durchschnittlich – eben genauso wie hier über weite Strecken. Er ist kein Schauspieler, der einen durchschnittlichen Film allein kraft seiner Präsenz aufwertet, vielmehr passt er sich dem Niveau an.

SAFE zeigt eindrucksvoll, das gutes Handwerk allein nicht ausreichend ist. Yakins Film übertrifft viele DTV-Actioner hinsichtlich seiner production values um Längen, aber ihm fehlt einfach jegliche Inspiration oder auch nur dieses gewisse Maß an Wahnsinn und Verschrobenheit, die ihn aus der Masse herausragen ließen. Langweiliger Durchschnitt, du hast einen Namen. Und der ist tatsächlich vielsagend. Dass ein Actionfilm „sicher“ ist, ist ganz gewiss das letzte, was man von ihm erwartet.

 

 

 

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