indiana jones and the kingdom of the crystal skull (steven spielberg, usa 2008)

Veröffentlicht: Oktober 28, 2008 in Film
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Bei der Kinoauswertung ist er mangels Lust an mir vorbeigegangen, bei der Erstsichtung auf DVD war ich promilletechnisch schon jenseits von gut und böse und musste vorzeitig abbrechen. Vielleicht mehr als Pech? Ein schlechtes Omen, eine Warnung der Götter, diese Rückkehr Spielbergs zu seinem 20 Jahre brachliegenden Franchise links liegen zu lassen? Ich kann nicht sagen, dass ich Indiana Jones vermisst habe in diesen 20 Jahren. Ich mochte die ersten drei Filme, mag sie immer noch, aber sie stellten für mich immer einen abgeschlossenen Korpus dar, wohl auch deshalb, weil die Trilogie mit INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE auf dem qualitativen Höhepunkt ihr Ende fand. Indiana Jones, das war für mich ein Relikt der Achtzigerjahre, Repräsentant einer Art von Kino, wie sie damals gut und richtig war, wie sie aber auch nur zur damaligen Zeit zu solcher Blüte reifen konnte. Diese weise Einschätzung treffe ich jetzt natürlich von einem sicheren Standpunkt aus: Ich habe den vierten Teil gesehen, er hat mich maßlos enttäuscht, ja, teilweise sogar schockiert, und macht es mir relativ leicht, rückblickend oberschlau zu erklären, warum das ja eigentlich von vornherein zu erwarten war. Aber von vorn.

Spielberg steht mit CRYSTAL SKULL zunächst einmal vor der schwierigen Aufgabe, seinen Protagonisten 20 Jahre älter machen zu müssen und ihn damit auch aus den Dreißiger- in die Fünfzigerjahre zu verfrachten. Ihm gelingt das zunächst auf gewohnt beiläufig-spielerische Art und Weise: Während die Credits laufen, sieht man ein paar Jugendliche in ihrem schicken Automobil zu klassischem Rock ’n‘ Roll durch die Prärie heizen. Im Folgenden bekommt Indiana Jones es mit Kommunisten zu tun, anstatt mit Nazis, Ausgangspunkt der neuen Schatzsuche ist das Roswell-Alien, er entgeht nur knapp einer Atombombenexplosion, weil er sich dummerweise mitten im Testgebiet aufhält, und der Halbstarke Marlon-Brando-Verschnitt auf dem Motorrad (Shia LaBeouf) entpuppt sich als sein Sohn. Man könnte meinen, dass Spielberg das alte Erfolgsrezept der Reihe beibehält, aber dem ist nicht so. Statt in einem pulpigen Paralleluniversum der Groschenhefte und Serials befinden wir uns in dieser neuesten Folge der Reihe in einer durch popkulturelle Verweise geprägten Hyperrealität. Damit verrät Spielberg jedoch genau das, was die alten Filme so liebenswert machte: Ihre Trivialität und Naivität, mit der die Filme eine unprätentiöse Selbstgenügsamkeit ausstrahlten, weicht dem postmodernen Zitatespiel und gibt CRYSTAL SKULL damit der Beliebigkeit preis.

Wo früher Lockerheit und Leichtigkeit walteten, regiert nun der Krampf. INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL ist wie Malen nach Zahlen, der zwanghafte Versuch, es nochmal so hinzkriegen wie damals. Doch dieses Kleben an der Formel unterminiert genau das, was Spielberg wohl in erster Instanz im Sinn hatte. Die Aneinanderreihung von Set Pieces, Schauplätzen und Verfolgungsjagden war zwar schon immer das dramaturgische Prinzip der Serie, aber damals schien sie als organisch gewachsen. Es war auch dem Charakter des Indiana Jones geschuldet, dass er von einer gefährlichen Situation in die nächste stolperte: In diesem neuesten Teil wird der Archäologe geradezu zur Randfigur degradiert, zum Erfüllungsgehilfen der Effekte. Während LAST CRUSADE mit der Einführung der Vaterfigur ein genialer Schachzug gelang, der schon in den Vorgängern angelegte Konflikte auf die Spitze trieb und erlöste, ist die Einführung des Sohnes und die Wiederbegegnung mit dem alten Gspusi Marion (Karen Allen) reines Nostalgiegeplänkel, das den Film letztlich kein Stück weiter bringt. Aber es geht hier auch nicht um Menschen: Die Effekte sind so inflationär eingesetzt, dass CRYSTAL SKULL teilweise zum Zeichentrickfilm verkommt. Niemals erreicht er den Zauber der Vorgänger, die ja auch gerade davon lebten, dass manche Effekttechnik noch nicht ganz ausgereift war, weil sie sich eben als Hommage auf ein Genre verstanden, dass selbst mit den Grenzen des Machbaren zu kämpfen hatte. im neuesten Spielberg-Film scheinen sie reiner Selbstzweck, Bombast, um den Hintergrund aufzupeppen, weil im Vordergrund nichts passiert.

Doch nicht alles ist schlecht an CRYSTAL SKULL: Die ersten zwanzig Minuten machen Hoffnung, kulminieren in einem grandiosen Moment, wenn sich Indys Silhouette vor dem gigantischen Atompilz abzeichnet und es ist durchaus beeindruckend, wie Spielberg inszenatorisch auf die Tube drückt, einen steten Flow erzeugt, der über 120 Minuten kaum abreißt. Aber das allein reicht eben noch nicht: Eine Achterbahnfahrt ist eben nur dann wirklich aufregend, wenn man dabei ist und fühlt, wie einem der Magen in die Kehle und das Herz in die Hose rutscht. CRYSTAL SKULL ist vor lauter formalem Dauerfeuer inhaltlich leider vollkommen leer und damit in etwa so spannend als würde man anderen beim Achterbahnfahren zusehen

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