blades (thomas r. rondinella, usa 1988)

Veröffentlicht: Juni 17, 2010 in Film
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Auf dem gepflegten Green des Golfklubs Tall Grass stapeln sich die Leichen. Todesursache: unbekannt. Weil aber ein bedeutendes Golfturnier ansteht, ist Osgood, der Besitzer des Clubs, darauf bedacht, die Todesfälle nicht an die große Glocke zu hängen. Er beauftragt Roy Kent (Robert North), seines Zeichens neuer Golftrainer des Klubs und ein ehemaliger Profi, sich der Sache anzunehmen …

Parodien sind so eine Sache: Ein feines Gespür für Humor und die richtige Dosierung der Pointen sind zu ihrem Gelingen genauso nötig wie die lückenlose Kenntnis des Originals und ein Verständnis dafür, was dieses funktionieren ließ. Wie schwierig dieses „Genre“ tatsächlich zu meistern ist, erkennt man daran, dass die meisten so genannten Parodien streng genommen gar keine sind: Anstatt die formalen und inhaltlichen Eigenheiten ihrer Vorbilder herauszuarbeiten, zu verzerren und so das ihnen innewohnende komische Potenzial zu heben, begnügen sie sich damit, berühmte, ikonische Szenen und Bilder zu zitieren und mit von diesen völlig losgelösten Zoten, Kalauern und Popkultur-Referenzen zu verknüpfen. Dass sich eine mysteriöse Gruselgestalt aus Amenabars THE OTHERS in einem der SCARY MOVIE-Sequels als Michael Jackson zu erkennen gibt, mag zwar nicht jeglicher Komik entbehren, mit dem Gothic-Horror-Film des Spaniers hat diese Enthüllung aber rein gar nichts zu tun. Meist merkt man filmischen Parodien an, dass sie letztlich einen eher unkreativen Versuch darstellen, sich an den Erfolg eines größeren Films anzuhängen, oder aber sich damit begnügen, das unstillbare Spot-the-Reference-Bedürfnis von Filmnerds zu befriedigen. Aber selbst, wenn der parodistische Wurf gelingt: Letztlich ist die Parodie immer dazu verdammt, ein eher sekundäres Dasein im Schatten des Vorbilds zu fristen, ohne das sie nicht existieren würde.

BLADES ist eine löbliche Ausnahme, denn er funktioniert sowohl als originell-alberne Parodie auf Spielbergs JAWS als auch als eigenständige kleine Horrorkomödie. Das hat verschiedene Gründe: Zwar perfektionierte Spielberg mit seinem Straßenfeger das zu diesem Zeitpunkt schon gut zwei Jahrzehnte alte Genre des Monsterfilms, schuf die Blaupause für die zahlreichen auf seiner Erfolgswelle mitschwimmenden Nachzieher des Tierhorrorfilms, die in der Folge kaum mehr leisten mussten, als den Hai durch ein anderes hungriges Tier zu ersetzen und sich ansonsten an der von Spielberg so erfolgreich gespannten Plotlinie entlangzuhangeln, doch im Grunde baute er lediglich geschickt auf einem schon lange stabil stehenden Fundament auf. Wenn Rondinella sich in BLADES auch überdeutlich an JAWS abarbeitet, kann der Zuschauer davon in gewisser Weise abstrahieren, weil sich das Tierhorrorgenre eben längst als eigenständiges Subgenre etabliert und ausdifferenziert hat und nicht mehr nur im stetigen Rückgriff auf Spielbergs Film rezipiert werden muss. Der eigentlich ziemlich brachiale Witz von BLADES, der darin besteht, dass er den Hai durch einen übergroßen amoklaufenden Rasenmäher, das offene Meer durch die jeder bedrohlichen Natürlichkeit beraubte Gartenlandschaft eines Golfplatzes und die so diverse und damit dem Kinopublikum so nahe Touristenschar durch die aus saturierten Oberklasserentnern bestehende Mitgliederschaft eines Golfclubs ersetzt, drängt sich erstaunlicherweise und im Gegensatz zu anderen Parodien nur selten auf. Das liegt daran, dass Rondinella das Genre verstanden hat: Er weiß, dass der Zuschauer die Absurdität, in die die Überbietungslogik, der ja jeder Genrebeitrag mit zunehmendem Alter des Genres folgen muss, zwangsläufig führen muss, als integralen Bestandteil des Genres längst akzeptiert hat. BLADES erscheint daher aller Komik zum Trotz zunächst vor allem logisch: Nachdem alle Tiere vermonstert wurden, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann der todbringende Rasenmäher folgen musste. Wobei das natürlich auch bedeutet, den ersten cleveren Gag des Films zu übersehen: Dass er nämlich eine gefährliche Maschine zum Protagonisten eines Tierhorrorfilms macht.

Diese Konstellation führt dazu, dass man bei BLADES stets hin- und hergerissen ist: Ist das jetzt lediglich ein Monsterfilm mit idiotischer Prämisse oder doch eine liebevolle Parodie auf das übergroße Vorbild? Er ist natürlich beides. Rondinella inszeniert mit angenehmer Zurückhaltung, tongue in cheek, so als meine er es auch in den absurdesten Momenten noch ernst, als verfilme er nicht eine selten blöde Idee. Und so eng er sich in vielen Szenen und Sequenzen auch an Spielbergs Vorlage hält, so strapaziert er diese Nähe doch nie über. Er nutzt das Gerüst von JAWS, um seine Geschichte zu erzählen, nicht umgekehrt. Wo die Parallelführung nicht funktioniert, da weicht er von ihr ab. Und umso spannender ist es, darauf zu warten, wann er danach wieder auf den Weg des Vorbilds einbiegt. Ein Großteil des Vergnügens besteht darin, Szenen zu antizipieren und oft ist das Wiedererkennen nur möglich, wenn man das Original wirklich gut kennt. Andere Zitate sind wiederum so übersteuert, dass es einfach nur eine Pracht ist: Wenn Osgood die Klubmitglieder zur Jagd auf das unbekannte Monstrum antreibt und das gepflegte Green plötzlich von grölenden Rednecks gestürmt und von Helikoptern überflogen wird, ist das ja auch ein schöner Kommentar zur Austauschbarkeit unserer gesellschaftlichen Masken: Auch hinter der distinguierten Golferschar verbirgt sich eben nur ein Lynchmob, wenn man ihr zu nah auf die Pelle rückt. Wenn man BLADES etwas vorwerfen möchte, dann wohl, dass er den Bogen zum Ende hin etwas überspannt. Das der berühmten Jagd nachempfundene Finale – statt eines Bootes ist es hier ein Kleinbus, statt an Harpunen befestigter Luftfässer an Heuballen gebundene Luftballons – ist zwar hübsch, aber eben überhaupt nicht spannend, auch wenn es sich bemüht, genau das vorzugeben.  Aber auch das scheint irgendwie in der Natur der Sache zu liegen, ist ja wieder ein typisches Problem der Parodie: Sie kann das Genre nur bedingt halten. BLADES ist trotzdem ein feiner Film, umso mehr, als er angesichts seiner Prämisse jedes Recht dazu hätte, ein solcher nicht zu sein. Ich hoffe, ihr konntet mir folgen.

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