piedone lo sbirro (steno, italien/deutschland 1973)

Veröffentlicht: Februar 10, 2011 in Film
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plattfußKommissar Rizzo (Bud Spencer), genannt „Plattfuß“, sorgt in Neapel auf seine ihm eigene Art und Weise für Ordnung: Ohne Dienstwaffe, aber dafür mit zwei schlagkräftigen Fäusten und diplomatischem Geschick im Umgang mit der Camorra und den zahlreichen Kleinganoven. Sein neuer Vorgesetzter Tabassi (Adalberto Maria Merli), dem Vorschriftentreue alles ist, ist nur wenig begeistert von Rizzo. Doch als der Drogenhandel in Neapel Einzug hält, müssen sich die beiden arrangieren …

Der erste Plattfuß-Film wird auf ewig einen Ehrenplatz in meinem Herzen einnehmen: Es war nämlich der erste echte Spielfilm (im Gegensatz zu Zeichentrickfilmen), den ich im Kino sah. SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS, wie er ursprünglich hieß, wurde 1982 unter dem Titel BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE wiederaufgeführt (so etwas gab es damals noch) – auch in dem kleinen Kino im nordhessischen Wolfhagen, wo ich damals wohnte und wo das Plakat mein Interesse weckte. Bud Spencer war mir aus den „Bravo“-Heften meines Teenager-Onkels schon bekannt und der dicke bärtige Mann hatte bei mir einen Stein im Brett: Ich musste diesen Film sehen. Dass meine Eltern sich ohne große Überredungskünste bereiterklärten, mit mir ins Kino zu gehen, wundert mich heute immer noch ein bisschen, und so saß ich dann noch am selben Abend in BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE, der allerdings nicht das komische Haudrauf-Festival war, das ich erwartet hatte, und mich intellektuell doch reichlich überforderte. Ich weiß noch, dass ich meine Mutter während des Films um Entschuldigung dafür bat, dass ich dem Krimi nicht mehr meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen konnte; aber sie hat das sportlich gesehen, weil sie wohl selbst wusste, dass BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE nicht gerade ein Kinderfilm war.

Heute kann ich den Film uneingeschränkt genießen: Es ist ein toller Polizeifilm, mit neapolitanischem Schmuddellook galore und einer unendlich sympathischen Hauptfigur, die doch in ziemlich starkem Kontrast zu den ganzen „am Rande der Legalität“ kämpfenden Cops steht, die in den Siebzigerjahren reüssierten. Plattfuß ist im Grunde ein Streetworker, einer der die Sprache der Straße versteht und weiß, dass man im Umgang mit dem lichtscheuen Gesindel manchmal einen Schritt zurückgehen muss, um zwei nach vorn zu kommen. BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE ist in seiner Zeichnung des Verbrechen typisch italienisch: Der Sozialismus weht durch den Film, in dem die meisten Gesetzesbrecher aus purer Not handeln, während die echten Schurken die mit den Goldkettchen, den schicken Anzügen und dem teuren Sportwagen sind. Die einen können sich Plattfuß‘ Sympathie und Hilfe gewiss sein, alle anderen müssen sich warm anziehen. Eine ausgedehnte Keilerei in einem Lagerraum für Fische erinnert jedoch allein an Spencers Prügelfilme, die erst in den folgenden Jahren zu seiner Spezialität avancieren würden, und inspirierte wohl den Titel der deutschen Wiederaufführung, die die noch zahlreichen Spencer/Hill-Fans ins Kino ziehen sollte. Die Fortsetzungen schickten ihren Helden als eine Art James Bond der kleinen Leute rund um den Globus und verkamen dabei mehr und mehr zu langweiligen Starvehikeln. BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE ist mit seinem herrlichen De Angelis-Score (dieses Titelthema!) noch absolutes Pflichtprogramm für alle Freunde des italienischen Polizeifilms. Und das Bild des „Barons“ mit dem Einschussloch in der Stirn wird wahrscheinlich mein Rosebud sein.

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