soldier (paul w. s. anderson, großbritannien/usa 1998)

Veröffentlicht: Juli 24, 2012 in Film
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Der Soldat Todd 3465 (Kurt Russell) ist einer der erfolgreichsten seiner Art: Bereits als Kind ausgewählt, hat er sich in zahlreichen Tests bewährt, bevor er durch ein hartes, erbarmungsloses Training ging, das ihn auf sein Leben als menschliche Waffe vorbereiten sollte. Er wurde in mehreren Kriegen eingesetzt, in denen er die ihm zugedachte Aufgabe mit Bravour erfüllte. Nun wird er zugunsten der nächsten Generation von Supersoldaten ausgemustert: nach Bedarf direkt im Reagenzglas zusammengebaute Krieger, denen Todd nichts entgegenzusetzen hat. Für tot gehalten wird er auf dem Müllplaneten Arcadia entsorgt. Doch er lebt und trifft dort auf eine Gruppe von Siedlern, die ihrerseits nur durch einen Unfall dort gelandet sind. Das Leben unter Zivilbürgern ist ihm fremd und bald gibt es Konflikte: Er wird verstoßen. Doch dann landet ein Raumschiff mit den neuen Elitesoldaten, die einen Probeeinsatz absolvieren und auf alles schießen sollen, was sich bewegt …

Paul W. S. Andersons vierter Spielfilm (nach SHOPPING, MORTAL KOMBAT und EVENT HORIZON) wurde bei Erscheinen weitgehend verrissen. Zwischen den ganzen aufgeblasenen Eventfilmen, aus denen sich das Actiongenre seinerzeit zusammensetzte, wirkte er wahrscheinlich zu klein, zu unsexy, zu ernst und vor allem zu ehrlich: Keine Spur hier von der augenzwinkernden Absicherung gegen jeden möglichen Kritikpunkt, der sich als Ironie tarnenden Uneigentlichkeit, mit der man in den Neunzigern alles verkaufen konnte, weil man ja tatsächlich genau das Gegenteil meinte. SOLDIER ist dagegen auf den ersten Blick von einer fast erschreckenden Naivität, dabei ist er einfach nur wahrhaftig. Drehbuchautor David Webb Peoples greift tief in den amerikanischen Mythenschatz und erzählt seine Geschichte um einen gestrandeten Soldaten, der das Menschsein nie gelernt hat, als moderne Version von George Stevens großem Westernklassiker SHANE. Der erzählt einst die Geschichte eines mysteriösen Revolverhelden, der wehrlosen Siedlern im Kampf gegen rücksichtslose Banditen beisteht, aber eigentlich von den Geburtswehen einer Nation, vom Zerplatzen der Träume vom Frieden: Wer leben will, der muss bereit sein, sich zu wehren – und gegebenenfalls zu töten. Das ist auch die Lektion, die die Siedler in SOLDIER lernen müssen. In sorgenfreien Friedenszeiten mag der Soldat Todd eine Bedrohung darstellen, zumindest erinnert er die friedliebenden Zivilisten an das dem Menschen innewohnende destruktive Potenzial, das sie doch am liebsten verdrängen möchten, doch im Konfliktfall braucht man jemanden, der das Kriegshandwerk beherrscht. Auch wenn es der Utopie widersprechen mag, dem strahlenden Bild einen Kratzer verpasst.

Anderson treibt die Differenz zwischen den braven Bürgern auf der einen und der gefühllosen Mordmaschine auf der anderen Seite auf die Spitze: Erinnern die Siedler mit ihrer unschuldig-genügsamen Art an naive Hippies oder die ostentativ arglose Besucherschar auf dem Mittelaltermarkt, steht der dumpf blickende, stets in sich versunkene Soldat Todd dazu in krassem Kontrast. Kurt Russell spielt den professionellen Killer als schweigsamen, groben Klotz, der wie ein Fremdkörper durch die Kommune der Siedler walzt. Im Hochglanz-Mainstream-Gewand des Neunzigerjahre-Kinos wirkt dieser Kontrast tatsächlich grobschlächtig bis albern: Es fehlen Anderson (noch) die technischen Mittel seinen erzählerischen Stil, der eben ganz auf Visualisierung setzt, überzeugend zu verankern (wie nahe SOLDIER Andersons letzten Filmen ideell ist, mag man schon an dem Namen „Arcadia“ ablesen, der ja auch in der RESIDENT EVIL-Reihe eine erträumte Utopie bezeichnet). SOLDIER wirkt eher kitschig, wenn er stattdessen emotional und grafisch sein will. Was aber für ihn einnimmt, das ist die Einfachheit seiner Konstruktion, die Klarheit des Konflikts, die sich auch in den brachialen Actionszenen niederschlägt. Wurde SOLDIER damals verrissen, so kann man ihn heute als Hommage an das Actionkino der Achtzigerjahre verstehen, mit seinem eindeutigen Gut-Böse-Schema, den überlebensgroßen Figuren und den inneren Konflikten, die sich explosiv entladen.

Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    Weshalb ich ihn noch einmal sehen will, ist, weil ich mich daran erinnern kann, Kurt toll gefunden zu haben, und nicht nur, weil Kurt halt allgemein toll ist, sondern spezifisch seine Darstellung in dem Film, nur gefiel mir das drumherum nicht – du kehrst ja durchaus heraus, was wahrscheinlich mein Problem war: ich glaube, da steckte ein besserer Film drin, und Kurt war in diesem besseren Film – ich hab bei seiner Darstellung immer an Rambo denken müssen – und du weisst ja wohl, dass das aus meinem „Mund“ keine negative Kritik ist;-)

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