the shadow (russell mulcahy, usa 1994)

Veröffentlicht: August 5, 2012 in Film
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Der Amerikaner Lamont Cranston (Alec Baldwin) hat sich nach dem Krieg eine Zweitexistenz als verbrecherischer, Opium produzierender Warlord Ying Po in Tibet zugelegt. Für seine Morde wird er  jedoch mit einem Fluch belegt: Mit der Gabe ausgestattet, die Sinne anderer Menschen zu manipulieren, wird er als „The Shadow“ dazu verdonnert, in New York einen Kampf gegen das Unrecht zu führen. Als Shiwan Khan (John Lone), ein Nachfahre Dschinghis Khans, in der Metropole auftaucht, um mithilfe einer Bombe die Weltherrschaft an sich zu reißen, ist The Shadow gefordert: Gemeinsam mit der hübschen Margo Lane (Penelope Ann Miller), der Tochter des Wissenschaftlers (Ian McKellen), der die Bombe gebaut hat, nimmt Cranston den Kampf auf …

Mit dem Flop von THE SHADOW, einer Figur, die in den 1930er-Jahren in etlichen popkulturellen Medien – Radiohörspiele, Pulpmagazine, Comics – zu Popularität gelangt war, war Mulcahys Hollywood-Karriere erst einmal beendet, nachdem er in den Jahren zuvor zahlreiche prestigeträchtige Filme realisiert hatte. Auch THE SHADOW ist im besten Wortsinne großes Kino: Unter den Klängen von Jerry Goldsmiths typisch schwelgerischem Score geht es zunächst nach Tibet, bevor Mulcahy den Fokus dann auf ein mithilfe von Matte Paintings, visuellen Effekten, prächtigen Bauten, Settings und Kostümen realisiertes New York der Dreißigerjahre verlegt. THE SHADOW ist ein echter Augenschmaus (fotografiert vom DePalma-Stammkameramann Stephen H. Burum) und vielleicht einer der letzten Filme, die noch ganz dem (leider schon verflogenen) Geist des Eventkinos der Achtzigerjahre, mit seinen megalomanischen Set Pieces, aufwändigen Massenszenen und „griffigen“ Effekten, verpflichtet waren. Man fühlt sich an pulpiges, fantastisches und spektakuläres Entertainment im Stile der INDIANA JONES-Filme, Richies THE GOLDEN CHILD oder auch Carpenters BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA erinnert und da macht es auch nichts, dass der eigentliche Plot des Films nur wenig zwingend wirkt und der Titelheld eigentlich zur Randfigur verkommt.

Auch Mulcahys Regie scheint etwas gehemmt zu sein, so als habe ihn bei dem Bemühen, der Arbeit der Setbauer, Kostümbilnder und Effekttechniker zu ihrem Recht zu verhelfen,  die Inspiration verlassen. Die Expressivität des Ausdrucks, die etwa HIGHLANDER, RAZORBACK oder zuletzt RESIDENT EVIL: EXTINCTION auszeichnete, sucht man hier vergebens. Vielleicht hätte solcher Überschwang aber auch nicht gepasst zu der doch eher behäbigen, aus heutiger Sicht sympathisch-naiven Geschichte, die eben noch aus einer anderen Zeit stammt. So ist THE SHADOW trotz des betriebenen Aufwands angenehm unaufgeregt, ruhig und entspannt. Das Erregungslevel steigt nie zu hoch, trotzdem gibt es immer was zu gucken und das leise Gefühl, dass der Film nicht ganz das geboten hat, was man sich von ihm erhofft hat, ist eigentlich gar nicht so unsympathisch. Besser jedenfalls als das ununterbrochene Bombardement der Sinne, nach dem man sich förmlich betäubt fühlt, das heute die Blaupause für „Entertainment“ darstellt. Was mich dann endgültig für den Film einnimmt, ist seine Besetzung: Alec Baldwin ist hier noch im Romantic-Lover-Modus zu sehen, der ihm aufgrund schnell zunehmender Körperfülle bald verwehrt bleiben sollte, und Penelope Ann Miller ist entzückend als stilvolles, intelligentes und selbstbewusstes Glamour Girl (sie verschwand leider viel zu schnell von der Bildfläche). In Nebenrollen agieren Veteranen wie Peter Boyle, Joseph Maher, Ian McKelllen und Tim Curry, es gibt ein Wiedersehen mit Max Wright, ALFs Willy Tanner, und Hollywoods Go-to-Man für väterliche Asiaten, James Hong. Einziger Minuspunkt ist vielleicht John Lone, der mit angeklebtem Vollbart nie das diabolische Potenzial entfesselt, dass ein guter Superschurke braucht. Letztlich kann ich schon verstehen, warum THE SHADOW sein Publikum im Jahr eins nach JURASSIC PARK nicht finden wollte und konnte. Aber für eine Wiederentdeckung auf DVD, bei der man darüber nachsinnen kann, wie cool es gewesen wäre, den auf großer Leinwand zu sehen, ist er perfekt.

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Kommentare
  1. Mic sagt:

    „Einziger Minuspunkt ist vielleicht John Lone, der mit angeklebtem Vollbild nie das diabolische Potenzial entfesselt, …“

    Entweder hat der Mann einen Fernseher im Gesicht, oder es handelt sich hierbei um einen Schreibfehler ;-). Ansonsten hier einmal stellvertretend: tolle Reviews hier in letzter Zeit. Macht Spaß beim Lesen!

    • Oliver sagt:

      Haha, „Vollbild“ sehr gut, danke für den Hinweis, werde das gleich mal korrigieren.

      Und auch sonst natürlich: Danke!

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