die gruft mit dem rätselschloss (franz josef gottlieb, deutschland 1964)

Veröffentlicht: Dezember 29, 2013 in Film
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Auf die Einladung des Millionärs und Erfinders Real (Rudolf Forster) reist die junge Kathleen Kent nach England. Im Winter seines Lebens hat den reichen Mann das schlechte Gewissen zur Vernunft gebracht. Er möchte der jungen Frau die Millionen zurückzahlen, die der ehemalige Casinobesitzer ihrem Vater einst durch gezielte Manipulation abgenommen, ihn so in den Ruin und schließlich den Tod getrieben hatte. Damit sind seine einstigen Mitstreiter um den gerissenen Connor (Ernst Fritz Fürbringer) aber gar nicht einverstanden und entführen Kathleen. Als größtes Problem erweist sich der Safe, den Real durch eine Vielzahl von Schutmechanismen gesichert hat, die jeden Eindringling das Leben kosten. Und wer ist eigentlich dieser Jimmy Flynn (Harald Leipnitz), der sich zwischen die Konfliktparteien schiebt?

Gottliebs zweiter Wallace-Film für die Rialto ist nach Vohrers selbstreferenziellem, humorigem DER HEXER, mit dem man über den Kanal und zur erfolgreichen James-Bond-Reihe schielte, ist sehr bodenständiger geraten. Bis auf einen kleinen Gag zu Beginn werden sämtliche Anstrengungen, die „vierte Wand“ zu durchbrechen, unterlassen, den Zuschauern wieder ein fintenreiches Krimistück voller zwielichtiger Gestalten und makabrer Morde vorgesetzt. DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS kann zwar zu keiner Sekunde an die Glanzleistungen der Serie heranreichen, wurde von Gottlieb im Autopilot äquivalent zum Malen nach Zahlen  inszeniert und leistet sich eine einzige – allerdings wirkungsvolle – neue Idee, kommt aber immerhin einigermaßen temporeich über die Runden. Die erzählerischen Schwächen, die Gottliebs DER SCHWARZE ABT zum bis dato schwächsten Film der Reihe gemacht hatten, sind hier behoben worden: Das Hin und Her zwischen Connor und Real, mit dem dubiosen Flynn und der schönen Kathleen in der Mitte ist angenehm flott, die titelgebende Gruft trägt zur Freude begeisterungsfähiger Junggebliebener auch nicht unerheblich bei, das Finale knüpft an die von Reinl mit ZIMMER 13 eingeführten Härten an und weiß auch mit seinem schönen Mühlensetting zu begeistern. Der Clou ist aber eindeutig die schon erwähnte Gruft, mit ihrer doppelt und dreifach gesicherten Eingangspforte und einem Mechanismus, der auch die ohne Hoffnung auf Befreiung Eingesperrten mit unablässigem Getröte und Flackerlicht in den Wahnsinn oder den Selbstmord treibt. Konsequenz in Vollendung. Insgesamt ein runherum akzeptabler Wallace aus dem breiten Mittelfeld der Serie.

Die Edgar-Wallace-Checkliste:

Personal: Eddie Arent (15. Wallace-Film), Klaus Kinski (9.), Siegfried Schürenberg (6.), Ernst Fritz Fürbringer (5.), Harry Wüstenhagen (4.), Werner Peters, Kurd Pieritz (3.), Arthur Binder, Kurt Jaggberg, Heinrich Gies, Arthur Schilsky (2.), Harald Leipnitz, Ilse Steppat, Kurt Waitzmann, Gerhard Hartig (1.). Regie: Franz Josef Gottlieb (2.), Drehbuch: Franz Josef Gottlieb (2.), Robert A. Stemmle (2.), Musik: Peter Thomas (8.), Kamera: Richard Angst (3.), Schnitt: Jutta Hering (2.), Produktion: Horst Wendlandt (13.).
Schauplatz: Das Haus Reals, eine alte Windmühle und die Victoria Station. Gedreht wurde in Berlin und London.
Titel: Bezieht sich auf das zentrale Mysterium des Films.
Protagonisten: Jimmy Flynn, ein Mann ungeklärter Herkunft, das weibliche Opfer Kathleen Kent und der ermittelnde Inspektor Angel (Harry Meyen).
Schurke: Die Bande um den schurkischen Connor, Kinski als stummer Killer im Dienste eines unbekannten Auftraggebers …
Gewalt: Tod durch Erschießung, Messerstiche, Selbstmord. Zwei Charaktere werden vom Räderwerk einer Kornmühle zermamlt, eine fällt dem Rätselschloss zum Opfer, wird gleichzeitig vergiftet, elektrisiert und zu Tode gestürzt.
Selbstreflexion: Voice-over-Begrüßung zu Beginn. Einen Mann, der im Kino eingeschlafen zu sein scheint (er ist tot), kommentiert eine Kinobesucherin mit den Worten: „Schau mal den an, der schläft sogar bei einem Krimi ein. Aber gut, es war ja auch kein Wallace.“
EDIT: DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS erschien vor DER HEXER. Mir ist die Reihenfolge der Beiträge an dieser Stelle etwas durcheinander geraten.

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