24 hours to kill (peter bezencenet, großbritannien 1965)

Veröffentlicht: Januar 25, 2014 in Film
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In-Beirut-sind-die-Nächte-lang-10-211x300Auf dem Flug nach Athen wird Pilot James Faulkner (Lex Barker) von technischen Probleme gezwungen in Beirut zwischenzulanden. Während sich das Team über den unerwarteten Aufenthalt in der schillernden Metropole freut, ist Flugbegleiter Jones (Mickey Rooney) weniger begeistert. Was seine Kollegen nicht wissen: Er hat sich jahrelang als Bote des in Beirut ansässigen Schmugglers Malouf (Walter Slezak) verdingt und diesen dabei um 40.000 britische Pfund geprellt. Der Gangsterboss braucht nicht lang, um in Erfahrung zu bringen, dass Jones wieder in der Stadt ist, und setzt sofort seine Häscher auf ihn an. Der Betrüger fleht seine Kollegen um Hilfe an, ohne ihnen von seiner kriminellen Verwicklung zu berichten, und zieht sie so mit in die ganze Sache hinein. Es gilt, 24 Stunden zu überstehen, bis die Maschine wieder starten kann …

Ein auf der deutschen DVD enthaltenes Interview mit dem Produzenten Harry Alan Towers fasst dessen Geschäftsphilosophie treffend als „More Bang for your Buck“ zusammen. Towers war weniger an hehrer Filmkunst – was immer das auch sein mag – interessiert, als an guten Geschäften. Seinem Publikum versuchte er – ganz Populist – stets eine prall mit Attraktionen gefüllte Wundertüte zu präsentieren. Sein durchaus erfolgreiches Konzept sah meist so aus: Man nehme das Werk eines populären Bestsellerautoren, lasse es von einem verlässlich und günstig arbeitenden Regisseur an exotischen Schauplätzen inszenieren und besetze es mit Stars des internationalen Films und Fernsehens. Die Filme Towers‘ sind dementsprechend selten wirklich nachhaltig und stets ein wenig bieder, aber eben immer schön bunt und knallig. Das lässt sich auch von 24 HOURS TO KILL sagen, der dem heutigen Zuschauer 90 Minuten lang angenehm nostalgisch stimmendes, anachronistisches Abenteuerkino bietet, und ihn, ein angenehmer Nebeneffekt, in entspannte Urlaubsstimmung versetzt.

Beirut ist, noch vor den Verwüstungen, die Bürgerkrieg und Nahost-Konflikt rund zehn Jahre später und bis in die Gegenwart andauernd anrichten sollten, eine pulsierende Metropole, deren Attraktionen ausgiebig vorgeführt werden und den Hintergrund für die fast beiläufig entwickelte Geschichte bietet. Für Erheiterung sorgt vor allem die Zeichnung des Pilotenteams als unzertrennlicher Haufen kerniger Abenteurer-Typen und zauberhafter Damen, inklusive der sich zwangsläufig einstellenden melodramatischen Verwerfungen. Der attraktiv-männliche James ist natürlich mit allen Wassern gewaschen, ein Bild von einem Kerl, und als Pilot auch im Umgang mit gefährlichen Gangstern zu keiner Zeit überfordert. Ihn verbindet eine Liebesbeziehung mit der bildschönen Stewardess Louise (Helga Sommerfeld), die jedoch unter seiner noch gültigen Ehe leidet. Das Liebesglück wird immer wieder von Briefen der Gattin gestört, die den stets abwesenden Ehemann doch mit einem Seitensprung überhaupt erst in die Arme der Kollegin trieb. Unnachgiebig verurteilt er ihren doch eigentlich verständlichen Seitensprung, ohne jedoch konsequenterweise die Scheidung einzureichen. So wird man Zeuge eines träneninduzierenden Dramas mit tragischem Ausgang. Copilot Tommy (Michael Medwin) hingegen hat keine Sorgen. Er ist ein sympathischer Hallodri, hat in jedem Hafen eine Braut sowie ein kleines braunes Notizbuch mit all ihren Adressen und Telefonnumern und in der blonden Stewardess Franzi (France Anglade) trotzdem eine Verehrerin an Bord, die seine zwanghafte Vielweiberei nicht davon abhält, von einer festen Beziehung mit ihm zu träumen. Ein leicht überstrapazierter Running Gag widmet sich seinen verzweifelten Versuchen, die libanesische Bauchtänzerin Mimi zu erreichen. Als er ihr dann endlich von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht, etpuppt sie sich zu seinem Bedauern als verheiratet – und ihre vermeintliche Telefonnumer als ihre Gardemaße. Bleibt – neben dem eher unscheinbaren Techniker Kurt (Wolfgang Lukschy) – noch Jones: Rooney gibt ihn als ekelhaft opportunistischen Feigling, der lieber seine Freunde ins Unglück reißt, als einmal die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Die Läuterung bleibt zur großen Überraschung aus, er bekommt am Ende, als man schon nicht mehr damit rechnet, sein verdientes Fett weg. Wie es die Tagline so schön sagt: „Man proposes, Allah disposes.“

Der Rest ist Schmunzeln über die Naivität, die in diesem Film zum Ausdruck kommt. Die Versuche der Gangster, Louise zu entführen, um so ein Druckmittel in der Hand zu haben, sind geradezu kläglich amateurhaft und stehen in keinem Verhältnis zum Selbstbild Maloufs, der sich mit Fez auf dem Kopf als kommender Bond-Schurke geriert. Aber was soll man auch von jemandem halten, der sich ausgerechnet Hans Clarin als Killer hält? Herrlich auch der Auftritt eines Polizisten, der nach gescheitertem Entführungsversuch von James zu Rate gezogen wird, das Ganze nach den wenig überzeugenden Abwiegelungen von Jones jedoch abhakt wie eine kleine Bagatelle. In Beirut sind eben nicht nur die Nächte lang, sondern auch die Leitungen der Behörden.

Lex Barker war seinerzeit in Europa sehr gefragt und nutzte dieses Engagement wohl als kleine Abwechslungs zwischen seinen deutschen Karl-May-Engagements. Kurz zuvor hatte er DIE PYRAMIDE DES SONNENGOTTES abgedreht, wenig später folgte DURCHS WILDE KURDISTAN. Für Towers hatte er bereits in VICTIM FIVE vor der Kamera gestanden, die damals Nicholas Roeg bediente. Regisseur Peter Benzencenet hat außer diesem nur noch drei weitere Filme – alle zwischen 1961 und 1965 – gedreht, war aber seit den Dreißigerjahren als Editor aktiv. Seine Regie ist unauffällig und eher pragmatisch. In einer kleineren Nebenrolle als Geliebte Maloufs ist Maria Rohm zu sehen, die seinerzeit mit Produzent Towers verheiratet war und in zahlreichen seiner Filme aus jener Zeit auftrat. Fazit: Ein hübscher Timewaster, wenn man nicht zu viel erwartet.

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