terza visione 2: missione speciale lady chaplin (alberto de martino, italien/frankreich/spanien 1966)

Veröffentlicht: April 1, 2015 in Film
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missione_speciale_lady_chaplin_ken_clark_alberto_de_martino_006_jpg_gykbAlberto De Martinos Eurospy-Film um den Geheimagenten Dick Malloy (Ken Clark) beginnt ein bisschen behäbig, verwandelt sich dann aber ungefähr zur Hälfte hin in eine Kleine-Jungs-Fantasie voller absurder, bescheuerter und herrlicher Einfälle, getragen von einer deutschen Synchro, die den Geist des Films hervorragend unterstützt und hier und da eigene Glanzlichter setzt. Wie eigentlich alle Eurospy-Filme ist auch dieser ein freches James-Bond-Rip-off: Der Plot erinnert ein wenig an den ungefähr zur selben Zeit gestarteten THUNDERBALL und in der Rolle der verführerisch-mysteriösen Lady Chaplin ist Daniela Bianchi zu sehen, die Sean Connery in FROM RUSSIA WITH LOVE sweet nothings in Schottenöhrchen flüsterte. Als Superdiebin arbeitet sie mit dem schurkischen Zoltan (Jacques Bergerac) zusammen und hat ihm geholfen einige Atomsprengkörper und eine hochexplosive Chemikalie zu entwenden. Dick Malloy ist ihr dicht auf den Fersen, kann die Welt am Ende natürlich vor der Bedrohung retten, Lady Chaplin stellen und sie auf die Seite der Guten und in seine Arme ziehen.

Im Grunde kann man über die in den Sechzigerjahren reüssierenden Eurospy-Filme immer denselben Text schreiben: Sie zeichnen sich wie ihre großen Vorbilder durch typische Sechzigerjahre-Bilderwelten, loungige Möbel und kräftige Farben aus, besuchen mal mehr mal weniger attraktive Schauplätze, je nachdem, was das Budget hergibt, fahren ein ganz Arsenal technischer Gadgets auf, die meist umso absurder werden, je niedriger die Preisklasse des jeweiligen Films ist, verfügen natürlich über einen kernigen Helden, schöne Frauen und finstere Schurken, geizen nicht mit fadenscheinigen Spezialeffekten und werden von swingenden Easy-Listening-Scores treffend untermalt. Alberto De Martins Film gehört wahrscheinlich zu den höherstehenden Vertretern, verfügt über ansehnliche Production Values, muss hier und da aber natürlich improvisieren, um Limitierungen zu kaschieren. So steht auf dem Schreibtisch der Juwelenverkäuferin, deren Geschäft als Tarnung für ein Geheimdienstbüro fungiert, ein waschechtes Blaulicht, das – aus welchem Grund auch immer – anfängt zu leuchten, wenn sie die Zentrale kontaktiert. Eine Tauchsonde gibt bei Betrieb ein merkwürdig irritierendes Tüten von sich, wahrscheinlich weil man der Meinung war, sie müsse unbedingt ein Geräusch machen. Und beim großen Schlussfight in einem vollgepackten Atomraketensilo ballern Malloy und Zoltan wild in der Gegend herum, entzünden gar ein Feuer, ohne auch nur einmal innezuhalten angesichts der überwältigenden Gefahr. Ach ja: Zoltan hat kein Haufischbecken, dafür aber zwei Skorpione, die er mit sadistischem Geifergrinsen gegeneinander kämpfen lässt.

Es sind aber vor allem die kleinen Naivitäten und Unzulänglichkeiten, die den Film zu einem Vergnügen machen: Daniela Bianchi wurde offensichtlich von einer Hessin (oder Pfälzerin) synchronisiert, die ihren angeborenen Akzent nur höchst unzureichend kaschieren kann. In einer Szene täuscht Lady Chaplin einer Gruppe von Bahnangestellten vor, betrunken zu sein, um einen Zug in ihre Gewalt zu bringen, und die von der Synchronsprecherin offensichtlich mühsam hochgehaltene Maske entgleitet ihr bei dem Versuch, eine Betrunkene angemessen zu synchronisieren, vollends. Ich habe wirklich für eine Sekunde geglaubt, Lady Chaplin gebe sich als Frankfurterin aus. Ganz, ganz toll ist auch eine Modenschau, bei der jedes Kleid von einer Ansagerin angekündigt wird. Dabei kommen dann solch tolle Sachen raus wie: „Nr. 128. Ein Traum in Geld und Rosa“. Und das geht mehrere Minuten so weiter! In einem Dialog kündigt Malloys Vorgesetzter an, eine Zimmerdurchsuchung durchführen zu wollen. Als Malloy scherzhaft anmerkt, dass das eigentlich nicht seinem Dienstgrad entspreche, bemerkt der Chef mit einem neckischen Armschwung und sichtbarer Ferkelsfreud, dass er sich dabei so wunderbar jung fühle. Wahrscheinlich war da noch Einiges mehr, das ich mittlerweile leider vergessen habe. Selbstverständlich nicht vergessen habe ich die wahrscheinlich schönste Ohrfeige der Filmgeschichte: Malloy hat Lady Chaplin gerade vor einer ganzen Dutzendschaft gedungener Mörder gerettet und will sich aufmachen, nun auch den Oberschurken lahmzulegen. Lady Chaplin interveniert: „Ich komme mit!“ Da platzt dem sonst so gutmütigen Malloy der Kragen: „Hier wird gemacht, was ich sage!“, sagt er, und – Zack! – bekommt die schöne Lady Chaplin seinen Handrücken zu schmecken, dass es nur so eine Art ist und ihr sofort das Bewusstsein raubt. In diesem trotz diverser Toter wirklich rührend harmlosen und gutmütigen Filmchen wirkte diese vollkommen unvorhersehbare frauenfeindliche Entgleisung wie der berühmte Eimer Eiswasser, den die anwesenden Zuschauer dann auch entsprechend lautstark quittierten. Fein!

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