la tratta delle bianche (luigi comencini, italien 1952)

Veröffentlicht: August 15, 2015 in Film
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Alda (Eleonora Rossi Drago) entzieht sich in letzter Sekunde ihrer Verschiffung in die USA. Der finstere Machedi (Marc Lawrence) hatte ihr und anderen mittellosen Mädchen dort eine große Showkarriere versprochen, sie in Wahrheit jedoch an einen Mädchenhändlerring verschachert. Sie findet Unterschlupf bei Carlo (Ettore Manni), doch der wandert in den Bau, weil er bei einem von Michele (Vittorio Gassman) initiierten Bruch geschnappt wird, den dieser wiederum im Auftrag von – genau – Machedi organisiert hat. Während Lucia (Silvana Pampanini), Micheles Freundin, von Machedi zur Edelprostituierten gemacht wird, meldet sich Alda bei einem Tanzmarathon, um das für die Verteidigung von Carlo nötige Geld zu verdienen. Was sie nicht weiß: Die unmenschliche Tanzveranstaltung ist auch bloß ein Vorwand und dient letztlich dazu, Mädels an Menschenhändler zu vermitteln …

Wie schon RISO AMARO handelt auch Comencinis Film von den verzweifelten Bemühungen der armen Bevölkerung, sich ihre Existenz zu sichern, und von den Fieslingen, die sich ihre Not skrupellos zunutze machen. Was in De Santis Film die harte Arbeit auf den Feldern war, ist hier der Tanzwettbewerb: Eine Tage, sogar Wochen andauernde Schinderei, in deren Verlauf so mancher Traum platzt, mancher Körper zerschunden wird und sich der große Preis am Ende als Ticket in die Hölle entpuppt. Für Alda, die ein Kind von Carlo erwartet, kommt dann auch jede Hilfe zu spät, aber wenigstens kann Machedi das Handwerk gelegt werden, bevor er weitere arme Seelen ins Unglück stürzt.

Die Mischung aus neorealistischer Sozialkritik, Melodram, Gangster- und Tanzfilm mutet heute etwas wüst an, zumal diese Schauermär aus dem Prekariat ohne jeden Humor, dafür aber mit heiligem Ernst dargeboten wird. Es fällt deutlich schwerer, mit den Frauen mitzuleiden, die ihre Gesundheit bei einem Marathontanzen riskieren, als mit den Feldarbeiterinnen aus De Santis‘ Meisterwerk, aber im Grunde tritt das Maß ihrer Verzweiflung durch die pure Absurdität der Situation, in die sie sich begeben, noch stärker zutage. So wenig Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lebensumstände haben sie, dass es plötzlich als realistische Alternative scheint, sich bei einem Tanzwettbewerb von einem Filmregisseur entdecken zu lassen. Die mit Spannung erwarteten Größen des Showgeschäfts tauchen wirklich irgendwann auf, doch machen sie auf dem Absatz kehrt, als sie des sich auf der Tanzfläche darbietenden Trauerspiels ansichtig werden. Die Frauen aus LA TRATTA DELLE BIANCHE sind ganz unten, aber es geht immer noch tiefer, keine Demütigung und Enttäuschung scheint ihnen erspart zu bleiben.

Ein interessanter Film, der nach RISO AMARO aber fast notgedrungen nachrangig wirkt. Luigi Comencini sollte rund zwanzig Jahre später den fantastischen DELITTO D’AMORE drehen, der deutlich weniger melodramatisch, aber kein Stück weniger bitter ist.

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