dark of the sun (jack cardiff, großbritannien 1968)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2015 in Film
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Zehn Jahre vor THE WILD GEESE, der seinerzeit zum Riesenhit avancierte und eine ganze Welle von Söldnerfilmen nach sich zog, erschien dieser Genrevertreter unter der Regie des Kameragenies Jack Cardiff (u. a. BLACK NARCISSUS, RAMBO: FIRST BLOOD PART 2, A MATTER OF LIFE AND DEATH, THE VIKINGS, THE RED SHOES und THE AFRICAN QUEEN). Statt großer Begeisterung und voller Kinos setzte es aber eher harsche Kritik: Die expliziten Gewaltdarstellungen überforderten viele Rezensenten, die auch Probleme damit hatten, einen realen Konflikt – die sogenannte Kongo-Krise – als pittoresken Hintergrund eines Abenteuerfilms „missbraucht“ zu sehen. Nachdem die Demokratische Republik Kongo, eine belgische Kolonie, 1960 die Unabhängigkeit erlangte, kam es dort zu Auseinandersetzungen zwischen Armee und belgischen Offizieren, die in einer Massenflucht der belgischen Einwohner und dem Eingriff von UN-Blauhelmen mündeten. Die folgenden Machtstreitigkeiten führten angestachelt durch die Interventionen Belgiens, der USA und der UdSSR in einen Sezessionkrieg, der die junge Nation in drei Teile spaltete (der deutsche Titel KATANGA ist der Name eines dieser Teilgebiete).

In Cardiffs Film, inszeniert nach dem Roman von Wilbur Smith, wird der amerikanische Söldner Bruce Curry (Rod Taylor) vom kongolesischen Präsidenten Ubi (Calvin Lockhart) beauftragt, die belgischen Bewohner einer abgelegenen Stadt mit einem Zug in Sicherheit zu bringen. Noch wichtiger sind Ubi aber die Diamanten im Wert von 50 Millionen US-Dollar, die ebenfalls in der Stadt liegen und eine überlebensnotwendige Finanzspritze für die leere Staatskasse bedeuten. Zusammen mit seinem kongolesischen Freund Ruffo (Jim Brown), dem faschistischen Deutschen Henlein (Peter Carsten), dem trunksüchtigen Arzt Wreid (Kenneth More) und 40 Soldaten begibt sich Curry auf die gefährliche Reise. Am Ziel angekommen, erfährt er, dass der mit einer Zeitschaltuhr gesicherte Safe erst in drei Stunden geöffnet werden kann. Und die mordlüsternen Simbas sind schon im Anmarsch …

DARK OF THE SUN (oder auch THE MERCENARIES) vereint im Stile der großen Abenteuer-Kriegsfilme der Sechzigerjahre heute eigentlich Unvereinbares, nämlich Politik, Gewalt und kernige Landser-Romantik zu einem garantiert politisch unkorrekten Gebräu. Das Drehbuch von Ranald McDougall und Adrian Spies hakt alle Klischees ab, die dem Genre auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleiben sollten: die Auftraggeber mit der Doppelagenda, den grausamen Konflikt vor exotischer Kulisse, den abgefuckten Protagonisten, der sich über die Verkommenheit seines Jobs mit der Ausrede hinwegtäuscht, dass ihn sonst jemand anderes machte, den uneigennützig handelnden Freund, dessen unablässige Ansprachen schließlich einen Sinneswandel beim Helden einleiten, den saufenden Verlierer, der in einem Märtyrerakt seine Menschlichkeit zurück erhält sowie neben den gesichtslosen, dafür umso barbarischer agierenden feindlichen Armeen einen wahrhaft scheußlichen Schurken. Peter Carstens Henlein basiert auf dem deutschen Söldner Siegfried Müller, der als „Kongo-Müller“ international bekannt wurde (und Didi Hallervordens „Kongo-Otto“ in seinem DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN inspirierte) und sich u. a. mit einem Eisernen Kreuz von der Presse ablichten ließ. Henlein ist noch eine Nummer widerlicher, denn bei ihm ist es das Hakenkreuz, das an seiner Brust prangt. Curry fordert ihn gleich zu Beginn auf, es abzunehmen, befiehlt ihm dann wenig später, nachdem der Deutsche zwei Kinder erschossen hat, es wieder anzulegen: „You have earned it“, kommentiert er angewidert, eine der besten Szenen des Films.

DARK OF THE SUN überzeugt zunächst einmal durch seine Production Values: Der in Jamaica gedrehte Film sieht so fantastisch aus, wie man das angesichts seines Regisseur erwarten durfte, wartet zudem mit einem phänomenalen Score von Jacques Loussier auf, der die ganze emotionale Bandbreite von spannend bis tragisch abdeckt. Auf dieser Basis gelingen auch einige immens packende Sequenzen, die ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlen. Besonders hervorzuheben ist natürlich der längere Abschnitt um die Befreiung des Ortes und die folgende Flucht per Zug. Als eine Explosion den letzten Waggon abtrennt und die schreienden Zivilisten zu den Meuchelmördern zurückrollen lässt, kommt es zu der bitteren Szene, in der der Bürgermeister seine Gattin erschießt, damit sie nicht den brutalen Simbas in die Hände fällt. Auch das Finale, in dem Curry die Mordlust packt und er dem schurkischen Henlein über Stock und Stein hinterherrast, ist ein Kracher und in seiner Verbissenheit durchaus komisch. Insgesamt ist DARK OF THE SUN aber eher düster, die Gewalt wird nicht im Stile der sanitized violence verbrämt und wenn man darüber nachdenkt, was da eigentlich passiert, läuft einem mehr als einmal ein kalter Schauer über den Rücken. Dennoch kann Cardiff den hinsichtlich dieses Sujets eher unpassenden Ruch des eskapistischen Spektakels nicht ganz loswerden und der Verdacht, dass man die Kongo-Krise auch deshalb für einen Actionfilm in Betracht zog, weil sie weit genug entfernt war von der Realität der Zuschauer, liegt nahe. Aller oberflächlichen Kritik an Kriegstreiben und Zynismus zum Trotz ist es am Ende eben doch der Ami, der vielleicht nicht als strahlender Held zurückkehrt, dessen Entschlossenheit aber immerhin den fiesen Nazi seiner gerechten Strafe zuführt. Aber seien wir ehrlich: Es sind ja auch solche Widersprüche und ideologischen Stolperfallen, die den Söldnerfilm überhaupt interessant machten. DARK OF THE SUN ist, diese Einschränkung vorausgesetzt, exzellentes Actionkino. Und das fabulöse Kinoplakat würde ich mir ohne zu zögern in die Wohnung hängen.

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Kommentare
  1. Wolfgang sagt:

    Quasi die „Mutter“ aller „soldier of fortune“-Filme und meiner Meinung nach bis heute der Beste dieses Genres. Allein Rod Taylor ist die Sichtung wert und was er in diesem fantastisch fotografierten „fettfreien“ 100-Minueter an physischer Präsenz an den Tag legt ist atemberaubend. Grossartige Besetzung, tolle Landschaften, Spannung vom Anfang bis zum Ende, ein Film, den ich bisher ein halbes Dutzend Mal genossen habe und sicher noch ein paarmal geniessen werde. 🙂

    • Oliver sagt:

      Ich finde schon, dass THE WILD GEESE der bessere der beiden Filme ist. Aber DARK OF THE SUN ist vielleicht der schönere. 🙂

      • Wolfgang sagt:

        Hmmmm … in THE WILD GEESE spielt zwar einer meiner „Goetter“, nämlich Richard Harris mit (hast Du schon THIS SPORTING LIFE gesehen? – must-see!!), aber ich gebe trotzdem DARK OF THE SUN den Vorzug, der Film ist roher, kraftvoller, kompromissloser, „kinetischer“, weniger auf´s breite Massenpublikum (Roger Moore …) ausgelegt, WEIT besser fotografiert und das wirklich tolle an diesem Film ist, dass er mir mit jedem Anschauen noch einen Tick besser gefällt.

        THE WILD GEESE habe ich bisher 2 oder 3mal gesehen und er hat nicht mit jeder Sichtung zugelegt, er ist ein gutes „Routineprodukt“ mit einer „all star cast“, aber mehr dann doch nicht.

        Mein Lieblingsfilm von Andrew V. McLaglen ist und wird wohl immer der weithin unterschätzte Western BANDOLERO! sein, das ist ei Film mit Witz, Humor, Härte und einem wirklich tollen Ende und auch der historische Hintergrund wird mit wenigen Sätzen wunderbar präzise umrissen.

        Nix gegen THE WILD GEESE (ich hab´ Deine Kritik gelesen), aber diesmal stimme ich mit der IMDb ueberein, dort steht es 7,0 gegen 6,8 fuer DARK OF THE SUN. 🙂

      • Oliver sagt:

        Ich finde überhaupt nicht, dass WILD GEESE „aufs Massenpublikum ausgerichtet“ ist. Er ist in der Anlage etwas epischer, richtig, aber er ist doch kein Stück weniger zynisch und brutal. Eigentlich setzt er DARK OF THE SUN rein provokationstechnisch in allen Punkten noch eine Schippe drauf.

    • Ghijath Naddaf sagt:

      Würde auch noch PLAY DIRTY von Andre De Toth empfehlen.

  2. Funxton sagt:

    Und sogar was dazu gelern hat der Chronistt:

    „Warum der Film KATANGA heißt, wird aber wohl ein ewiges Rätsel bleiben – ONGOBONGO wäre genauso treffend gewesen …“ (19.6.2005)

    „[…] Sezessionkrieg, der die junge Nation in drei Teile spaltete (der deutsche Titel KATANGA ist der Name eines dieser Teilgebiete).“ (26.10.2015)

    😀

  3. Funxton sagt:

    Wär‘ auch dufte gekommen.

  4. Marcos sagt:

    Und jetzt bitte den, der zur gleichen Zeit gedreht wurde…

    • Oliver sagt:

      Marcos: Woher nehmen?

      • Marcos sagt:

        Falls ich doch nach Nürnberg komme, könnte ich ihn Dir mitbringen. Ansonsten gibt es ihn – allerdings in grauenvoller Qualität – im Netz. Aber ich bin ehrlich: Die Söldner spielen im Film eher eine Nebenrolle und er ist auch nicht so sehr auf Action ausgerichtet wie KATANGA oder DIE WILDGÄNSE KOMMEN. Es geht eher um einen von Woody Strode gespielten afrikanischen Freiheitskämpfer, dessen Wille von der Regierung, die sich eben auch Söldnern bedienen, gebrochen werden soll. Ungefähr so, als hätte man DIE WILDGÄNSE KOMMEN aus Sicht von Limbani erzählt.

  5. Mr. Majestyk sagt:

    DEN möchte ich seit Jahren endlich sehen.
    Wo habt Ihr den denn alle her?
    Ich weiß ungeschnitten nur von der US-DVD und einem vergriffenen englischen Bootleg.
    Wäre für jeden Tip dankbar.

    THE WILD GEESE landet bei mir alle Jahre wieder im Player. Mag Routineware sein und politisch inkorrekt, ich finde den trotz mancher Altersspuren großartig. McLaglens NORTH SEA HIJACK gehört seit meiner Kindheit zu meinen Lieblingsfilmen.

    • Oliver sagt:

      Also ich besitze die DVD-R aus der Warner Archive Collection und bin – wie eigentlich mit allen Titeln, die ich aus der Reihe bislang erworben habe – sehr zufrieden damit. Bildtechnisch sind die oft besser als „reguläre“ DVDs.

  6. Ghijath Naddaf sagt:

    Habe auch die Warner-Archive DVD und bin sehr zufrieden.
    Weiß eigentlich jemand, was an den nicht enden wollenden Gerüchten, über eine ursprünglich
    längere Kinofassung dran ist.

    • Oliver sagt:

      Marcos: Musste Nürnberg leider auch absagen. Aus finanziellen Gründen. 😦

      • Marcos sagt:

        Uii, Du warst eigentlich der Hauptgrund, warum ich hinwollte. Ich wollte wissen, ob die Erde bebt und irgendwo „Sonnenaufgang“ aus „Also sprach Zarathustra“ ertönt, wenn wir uns nach so vielen Jahren und so vielen Aufs und Abs unserer Freundschaft wiedersehen. Jasmin und ich hatten uns schon auf einen Flug geeinigt, aber aufgrund meiner angeschlagenen Gesundheit aus den Dir bekannten Gründen und wenn Du gar nicht da bist, dann können auch wir das Geld besser für etwas anderes gebrauchen. Zumal wir, genau wie Du, nur einen Abend gekommen wären.

        Aber uns bleibt ja immer noch Paris, ähh,… Saarbrücken. 🙂

  7. Ghijath Naddaf sagt:

    @ Mr.Majestyk

    Warner Archive ist Region free.

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