bridesmaids (paul feig, usa 2011)

Veröffentlicht: November 24, 2015 in Film
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Vordergründig ein Film über die Zickenkriege, die Frauen dem Klischee nach mit solch unnachgiebiger Härte führen, handelt BRIDESMAIDS eigentlich viel allgemeiner von Selbstmitleid, Egoismus, davon, wie man eigene Schwächen dadurch kompensiert, anderen die Schuld zu geben, und es sich so in seiner eigenen Leidensblase häuslich und bequem machen kann. Paul Feigs Film ist saukomisch, aber bisweilen auch ziemlich schmerzhaft in seinem schonungslosen Offenlegen verletzter Eitelkeiten und ihrer hässlichen Folgeerscheinungen. Es gibt am Ende natürlich ein Happy End, schließlich befinden wir uns nicht in der Realität, sondern in einem Hollywoodfilm, aber dem Betrachter ist sofort klar: der Menschen Dummheit ist grenzenlos, ihre Fähigkeit, sich selbst zum Arsch zu machen, bloß um den anderen schlecht dastehen zu lassen, unübertroffen. Hier draußen wollten wir mit den Annies und Helens nichts zu tun haben, wünschten sie allenfalls unserem ärgsten Feind an den Hals.

Annie (Kristen Wiig), frustrierte Mittdreißigerin, seit ihr Lebenspartner sie nach der Pleite ihrer Kuchenbäckerei verließ, lebt mit zwei ekligen Untermietern zusammen, lässt sich in einer Sexbeziehung mit einem fiesen Macho zum Objekt degradieren und redet sich das als potenzielle Liebschaft schön. Der einzige Lichtblick ist die seit frühester Kindheit bestehende Freundschaft zu Lillian (Maya Rudolph), die Annie dazu bestimmt, für sie Jungesellinnenabschied und Hochzeit zu organisieren. Die Probleme beginnen, als Lillian ihr die umwerfend schöne Helen (Rose Byrne) vorstellt, eine neue Freundin, der Annie sofort mit Misstrauen begegnet: Zu perfekt und vor allem zu heranschmeißerisch ist die Neue, die alles daran setzt, Annies Platz als BFF einzunehmen. Annie, nicht bereit, sich das Letzte, was sie noch zu haben meint, wegnehmen zu lassen, nimmt den Kampf auf, mit verheerenden Folgen …

Neben den in Apatow-Komödien (der Mann fungierte für BRIDESMAIDS als Produzent) unverzichtbaren Vulgarismen und Geschmacklosigkeiten – hier verursacht eine Lebensmittelvergiftung volatilen und massenhaften Brechdurchfall in einer piekfeinen Boutique für Brautkleider – versteht sich Feig vor allem auf die relativ neue Spielart der Fremdscham-Comedy. Bereits früh wird die Marschrichtung vorgegeben, als sich die beiden Konkurrentinnen anlässlich der Verlobungsfeier mit ihren Reden gegenseitig überbieten wollen und sich dabei auf der Bühne mit rührseligen Liebesbekundungen, inbrünstig falsch gesungenen Liedern, thailändischen Lebensweisheiten und spanischen Fantasiesätzen der Lächerlichkeit preisgeben. Aber Annie und Helen sind ja nicht die einzigen, die mit kaum noch zu bewältigenden Frustrationen zu kämpfen haben. Rita (Wendi McLendon-Covey), verbitterte Mutter dreier verzogener Rotzblagen, macht keinen Hehl daraus, im Junggesellinnen-Abschied eine Chance auf wilden außerehelichen Sex zu sehen, und die brave Becca (Elle Kemper) klagt über einen Mann, der sie nur im Dunkeln anfassen mag und das auch nur nach vorher erfolgter, eingehender Körperreinigung. Die vierschrötige, mehr als nur leicht psychotische Megan (Melissa McCarthy) geht in dieser Gesellschaft schon als Ausbund an Lebensfreude durch. Natürlich überwindet Annie ihre Krise und zum Wohle Lillians auch die Differenzen mit Helen und dass es dafür eines freundlichen Mannes (Chris O’Dowd) bedarf, ist nicht unbedingt originell. Das Herz von BRIDESMAIDS schlägt in den zahlreichen „Frauenszenen“, in den Gesichtern, die die hinter ihnen liegenden Abgründe, Enttäuschung und Zorn immer weniger verbergen können, in Grimassen gespielter Freundlichkeit und den via blitzender Blicke abgeschossenen Giftpfeilen, in der Verwandlung, die Kristen Wiig vollzieht, von der süßen, schlagfertigen, schutzbedürftigen besten Freundin zur tobenden Vogelscheuche, deren in Stöckelschuhen steckende Storchenbeine sich in ihren bizarren Wutanfällen verrenken wie die einer vom Teufel besessenen Marionette.

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