15. hofbauer-kongress: expose me, lovely (armand weston, usa 1976)

Veröffentlicht: Januar 8, 2016 in Film
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600_343856552Auf dem nebenstehenden Plakat lobt das Branchenmagazin „Variety“ Westons Porno in den höchsten Tönen, bescheinigt ihm gar wegweisenden Status. Um das Zitat historisch einordnen, be- oder widerlegen zu können, fehlt mir leider das Wissen über das weite Feld des Golden Age Porn, aber ich versuche mich trotzdem einmal an einer Spekulation.

EXPOSE ME, LOVELY bedient sich einer Film-noir-Motivik und -Narration, erzählt eine Private-Eye-Geschichte in einer Rückblende, die eine versuchte Rekonstruktion vergangener Ereignisse darstellt, an deren Ende der Protagonist, der Privatdetektiv Frosty Knight (Ras Kean), mit einer Gesichtsbandage und erheblichen Gedächtnislücken im Krankenhaus gelandet ist. Als Voice-over-Erzähler geleitet er den Zuschauer durch seine Ermittlungen im Fall eines verschwundenen Politikersohns, die ihn mit schlafwandlerischer Sicherheit ebenso willigen wie attraktiven Damen in die Betten treiben. Der anfänglich mit einer Subjektiven ausgelöste Verdacht, Weston könne sich an einem Porn-Remake von Delmer Daves‘ klassischem Noir DARK PASSAGE versuchen, bewahrheitet sich nicht, genausowenig wie sich der Regisseur vom dunkelromantischen Existenzialismus der „Schwarzen Serie“ beeinflusst zeigt. EXPOSE ME, LOVELY ist auffallend sonnig und verliert seine gute Laune auch nicht, wenn Frosty über diverse Leichen stolpert. Er ist ein Sonnyboy mit makellosem Teint und gülden leuchtender Scheitelfrisur, ein Hans im Glück, dem die Frauen nur so in den Schoß und auf die pralle Erektion fallen. Und die fassungslose Freude über dieses Glück, die er immer wieder zeigt, ist durchaus ansteckend. Man freut sich, ihm beim Spaßhaben zusehen zu dürfen.

Im Unterschied zu anderen mir bekannten Pornos aus jener Zeit (und das sind zugegebenermaßen nicht viele), vor allem solcher aus New York, zeichnet dieser EXPOSE ME, LOVELY durch ein sehr gediegenes Ambiente und vor allem den Verzicht auf die Verquickung von Sex und Gewalt aus. Ich würde mich nicht darauf versteifen (höhö) wollen, dem Film eine feministische Grundhaltung zuzuschreiben, aber die Degradierung der Frau zum Fickobjekt, die anderswo oft betrieben (oder auch thematisiert) wird, findet hier definitiv nicht statt. Beide Parteien kommen zu ihrem Recht, es wird an beiden Geschlechtsteilen auffallend viel gesaugt und gelutscht, und sogar die deutsche Synchro, die sonst noch jeden Porno in ein Inferno der Niedertracht verwandelt hat (gut zu beobachten an der dem Film vorgeschalteten Trailerrolle) weiß sich einigermaßen zu benehmen. So könnte der „wegweisende Charakter“ von EXPOSE ME, LOVELY etwa darin bestanden haben, Porno als entspannte, leicht zu goutierende Unterhaltung, eben tatsächlich als Konkurrenz zum „normalen“ Spielfilm gedacht zu haben. Weston, von dem ja auch der bizarre Horrorfilm EVILSPEAK stammt (den ich auch mal wieder sehen muss), inszeniert sehr stilsicher und mit Humor: Die Szene, in der große Pfeile an Hauswänden Frosty den Weg weisen, während er auf der Tonspur darüber sinniert, keine Ahnung zu haben, wie es weitergehen soll, sorgte für die größten Lacher.

Leider habe ich die Auflösung des Falls verpennt, was dann aber auch nicht weiter schlimm war, denn das Wegdämmern und Aufwachen beim, das Schlafen mit dem Film, definitiv mit dazu, und ist bei Pornofilmen besonder erquickend. Der erste Kongresstag ist mit der langen Anreise nach meist kurzer Nacht sowieso dafür prädestiniert. Bei dieser 15. Ausgabe erwischte es mich allerdings besonders oft. Mehr dazu in den nächsten beiden Einträgen.

 

 

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