15. hofbauer-kongress: mädchen beim frauenarzt (ernst hofbauer, deutschland 1971)

Veröffentlicht: Januar 12, 2016 in Film
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maedchenDie Programmierung von Hofbauers MÄDCHEN BEIM FRAUENARZT, einem der unzähligen Reportfilme, die im Zuge des massiven Erfolgs von SCHULMÄDCHEN-REPORT in Fließbandproduktion gingen, im direkten Anschluss an den niederschmetternden DIE SPALTE zeugte von einer gewissen Chuzpe, aber natürlich auch vom grenzenlosen Vertrauen der Veranstalter in die moralische Standfestigkeit ihres Publikums (die ihm ja auch Matthias Dell in seinem schönen Radiobeitrag bestätigte). Legte Ehmck den männlichen Sexismus, der die Frau zum bloßen Befriedigungsautomat degradiert, in seinem Film noch gnadenlos bloß, werden Vergewaltigung und Demütigung in Hofbauers im selben Jahr entstandenen Werk wie gewohnt als sportliches Missverständnis verharmlost oder die Verantwortung dafür gleich der Frau in Schuhe geschoben, die keine Ahnung hat, was sie mit ihrem aufreizenden Auftritt anrichtet oder schon in ihrem Körperbau die labile Opfermentalität erkennen lässt, die Männern kaum eine andere Wahl lässt.

Richtig abstoßend wird MÄDCHEN BEIM FRAUENARZT aber nie, dafür sorgen zum einen krasse Unbedarftheit, mit der da die unglaublichsten Behauptungen aufgestellt werden, zum anderen Hofbauers verspielt-schwungvolle Regie. Der größte formale Kniff des Films ist es, alle Szenen in der Praxis des Gynäkologen aus dessen Sicht zu filmen, obwohl auch der vor allem auf die verquere Denke der Macher schließen lässt, bedürften doch eigentlich eher die Patientinnen des Schutzes der Anonymität. Aber so kommt der geneigte männliche Betrachter natürlich in den „Genuss“, dass sich die hilfesuchenden Mädels direkt an ihn wenden, er in den explizitesten Szenen des Films selbst durch das Spekulum geradewegs in sie hineinblicken darf. Die kurzweilig aneinandergereihten Episödchen, von denen der mit gewissenhaft-vertrauensvoller Stimme dozierende Frauenarzt berichtet, erzählen genau jene Geschichtchen, die man angesichts des Sujets erwarten durfte. Meist geht es um frühreife Früchtchen, die sich beim Liebesspiel diverse Verletzungen oder auch Erkrankungen hinzugezogen haben und nun höchst verschämt den Weg zum Frauenarzt antreten, der sich dem Zuschauer gegenüber auch die ethische Einordnung seiner Patientinnen nicht verkneifen mag. Illustriert werden dies Episoden um etwa eine Infektion mit den Gonokokken gern mit pseudoseriösen Grafiken, die den flächendeckenden Einfall weißer Pünktchen, vornehmlich natürlich aus dem geilen Süden, ins Bundesgebiet zeigen und heute wahrscheinlich von AfD oder PEGIDA für andere, weniger medizinische Zwecke verwendet werden (allerdings mit schwarzen Pünktchen).

Besonders gut gefallen hat mir an MÄDCHEN BEIM FRAUENARZT, wie er nach jedem Schicksalsschlag und jeder Härte immer wieder möglichst schnell zu seinem flapsig-humorvollen Ton zurückfindet. Das Mädchen mit dem wunderschönen, ja geradezu perfekten Busen, das von seinem vollkommen bescheuerten Angebeteten – einem verwöhnten Rotzjungen mit ca. hundert Halsketten, eigener Mopszucht und Oldtimer – tatsächlich wegen mangelnder Oberweite ausgelacht wird, wird von Frauenarzt und Sprechstundenhilfe anschließend in einen heiter bis frivolen Dialog verwickelt, der den Schicksalsschlag, ohne Atombusen auf die Welt gekommen zu sein, gleich nur noch halb so schlimm erscheinen lässt; und als Hauptursache für Unterleibsentzündungen werden vom Arzt nicht etwa Infektionen genannt, sondern die Tatsache, dass Jugendliche „heutzutage“ so gern in Unterwäsche auf dem Boden rumsäßen. MÄDCHEN BEIM FRAUENARZT ist also nicht nur ein flammendes Plädoyer für Aufklärung – wie oben schon erwähnt etwa darüber, wie man den Charakter eines Mädchens an ihrem Körperbau ablesen und so prognostizieren kann, wie sie nach der ruppigen Entjungferung so „drauf“ ist -, sondern auch für die ordentliche Bestuhlung von Jugendzimmern. Wie fast alle Reportfilme also ein unverzichtbarer Ratgeber in allen Lebenslagen und mithin ein idealer Abschluss des offiziellen Kongressprogramms.

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