anno 2020 – i gladiatori del futuro (joe d’amato/george eastman, italien 1982)

Veröffentlicht: Februar 25, 2016 in Film
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2020texasgladiators-media1Vier Typen – darunter Al Cliver, Harrison Muller jr. und Daniel Stephen – mit freien, ölig glänzenden Oberkörpern, umgehängten Patronengurten und dicken Knarren räumen in einem modrigen Gewölbe auf, in dem ein paar grunzende Mutanten in Priesterroben über ein paar unschuldige Frauen herfallen. Die Kerle entpuppen sich als postapokalyptische Texas Rangers, die nach überstandener Mission einen der ihren kurzerhand rausschmeißen müssen: Als „Catch Dog“ (Daniel Stephen) die leicht bekleidete Maida (Sabrina Siani) erblickt, gehen mit ihm nämlich sogleich die brunftigen Gäule durch, bricht der Vergewaltige in ihm aus. Er zieht brummig von dannen, die dankbare Blonde macht indes dem heldenhaften Nisus (Al Cliver) das Angebot, sie in ihre Heimat zu begleiten, wo ihr Vater damit beschäftigt ist, eine neue Zivilisation aufzubauen. Nisus sagt nach nur kurzem Zögern spontan zu, obwohl es eben noch so schien, als sei sein Job als Gesetzeshüter eine Lebensaufgabe, von der ihn nichts, schon gar nicht eine leicht beschränkt guckende Blondine, abhalten könne.

Ein Voice-over untermalt anschließend die naiv-utopischen Bilder von lachenden, vollauf zufriedenen Menschen, die geschäftig  an einem Kraftwerk im Nichts herumschrauben, das der neue Ursprung allen neuen Lebens sein soll. Nisus, der die rechte Hand von Maidas Papa geworden ist, trägt eine Latzhose und wird immer gerufen, wenn irgendein Tölpel sich an einem zu weit geöffneten Ventil verbrüht hat. Aber das sind nur geringe Sorgen im Vergleich zu dem, was bevorsteht: Die Regierungsfaschos – unter ihnen sowohl der nazieske Anführer (Donal O’Brien) als auch der verräterische Catch Dog – greifen die Anlage an, killen Nisus, machen die braven Utopisten zu ihren Gefangenen und benehmen sich danach wie die Axt im Walde. Aber Nisus‘ Ranger-Kumpel bekommen Wind von der Sache und eilen, ein paar Indianer im Schlepptau, zu Hilfe.

ANNO 2020 – I GLADIATORI DEL FUTURO ist fast noch geiler als D’Amatos auch schon überaus vergnüglicher ENDGAME – BRONX LOTTA FINALE: Ich würde sogar so weit gehen, die Idee, die im Endzeitfilm einverleibten Western-Anleihen wieder nach außen zu kehren, als genial zu bezeichnen (Isaac Florentine hat das 15 Jahre später in COLD HARVEST auf die Spitze getrieben). Wenn am Ende die Indianer (= italienische Pastaliebhaber mit Perücken) hoch zu Pferde und mit Flitzebogen bewaffnet in die Schlacht reiten, die für Kugeln undurchdringlichen „Hitzeschilder“ der feindlichen Armeen mit ihren Pfeilen mühelos durchschlagen, ist das nur der Höhepunkt eines Films, der seine Wildwest-Allusionen mit großer Lust ausformuliert. Einen Kniff wie den, den vermeintlichen Protagonisten nach einer guten halben Stunde aus dem Film zu nehmen, würde ich an dieser Stelle zwar nicht unbedingt mit Hitchcock in Verbindung bringen wollen, aber auch das ist so eine Idee, die dem Billigheimer über die Runden hilft. Mit ENDGAME teilt er indes das Manko etwas gleichförmiger und unspektakulärer Actionszenen: Glaubt man der IMDb, war für sie D’Amato verantworlich, während ein ungenannt bleibender Luigi Montefiori aka George Eastman den Rest besorgte. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen, was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist dass ANNO 2020 – I GLADIATORI DEL FUTURO eine der Überraschungen meines bisherigen Filmmonats ist.

Kommentare
  1. Sach ma, weißt Du zufälligerweise, ob es stimmt, dass Eastmann mit Laura Gemser verheiratet ist?

  2. Oliver sagt:

    Nein. Imdb und Wikipedia sagen nur, dass sie bis 91 mit Gabriele Tinti verheiratet war. Danach gibt es von ihr dort keine biografischen Daten mehr. Aber das hast du vielleicht auch selbst schon gelesen.

  3. Ja, aber beide Quellen sind nicht immer 100% wasserdicht. Dass Gemser & Eastman verheiratet sind, begegnet einem im Netz immer wieder und irgendwoher muss es ja kommen…..(Frage deshalb, weil ich gerade einen Text über Eastman vorbereite)

    Übrigens: Laut dem Eastmann-Interview in Spaghetti-Nightmares hat er den Film alleine gedreht. D’Amato hatte einen Package-Deal für den Film abgeschlossen, dann aber realisiert, dass das Script zu kurz ist (hätte für eine Stunde gereicht). Die Erkenntnis kam am Freitag, Montag sollte der Dreh anfangen. Eastmann sollte als sein Assistent das Ding mit ihm trotzdem wuppen, der wollte die Kiste aber alleine schaukeln, da die fehlende halbe Stunde seiner Meinung nach irgendwie improvisiert werden musste und er keine Lust hatte jeden Einfall mit D’Amato durchzudiskutieren. D’Amato wollte erst nicht so recht, aber da Eastmann nur ganz wenig Lohn wollte, konnte der Job losgehen. Laut Eastmann war Michele Soavi als Regie-Assistent eine riesengroße Hilfe.

    • Oliver sagt:

      Interessant. Aber zur Verbindung von Eastman und Gemser weiß ich auch nicht mehr, als dass ich mittlerweile glaube, das auch schon einmal gehört zu haben …

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