renegade (enzo barboni, italien 1987)

Veröffentlicht: Februar 17, 2018 in Film
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Tatsächlich eine Erstsichtung: Damals im Kino habe ich ihn versäumt, später habe ich von einer Betrachtung Abstand genommen mit der Befürchtung, mit diesem Spätwerk nichts anfangen zu können. Was für ein Fehler: So toll, wie ich den heute fand, mag ich mir gar nicht ausmalen, wie er mich mit Nostalgiebonus gekickt hätte. Wobei: RENEGADE spricht natürlich trotzdem alle Impulse an, weil er Terence Hill in altbewährter Rolle und altbewährtem Setting zeigt.

Er ist Luke, ein gutmütiger, schlitzohriger, unverdrossener drifter, der die Highways des amerikanischen Südens mit seinem Jeep rauf und runter fährt. Wann immer er klamm ist, verkauft er sein treues Pferd, nur um dann ein paar Meilen weiter darauf zu warten, dass es ihm nachläuft. Eines Tages vertraut ihm sein alter Vietnam-Kumpel Moose (Norman Bowler), der zu Unrecht im Bau sitzt, seinen Sohn Matt (Ross Hill) als Vormund an. Gemeinsam sollen sie in ein Tal namens „Green Haven“ fahren, wo Moose ein Grundstück erworben hat. Matt erweist sich als selbstbewusster Rowdy, dessen Vertrauen sich Luke hart erarbeiten muss. Ihre Freundschaft wird noch sehr wichtig sein, denn die Männer um den schurkischen Lawson (Robert Vaughn) wollen das Stückchen Land haben und schrecken dabei vor nichts zurück …

Die Handlung, die ich hier recht ausführlich skizziert habe, ist eigentlich völlig unerheblich, weil sie doch eigentlich nur den Rahmen für ein munteres Road- und Buddy Movie bietet, der auf die bewährte Art und Weise mit Inhalt gefüllt wird: Streiche, Sprüche, Keilereien, Konfrontationen, Romanzen und Heldentaten geben sich quasi die Linke in die Hand und sorgen dafür, dass RENEGADE nie langweilig wird, man sich über so manches Déjà vu – die Mormonen als Nachbarn etwa – freut, anstatt den Film für seine vermeintliche Einfallslosigkeit ans Kreuz zu nageln. Was ich an dem Film – und vielen der in den USA angesiedelten Spencer-Hill-Produktionen – wirklich liebe, ist diese hemmungslose Amerika-Glorifizierung: Das Land besteht nur aus Highways und unendlicher Weite, aus Truckerkneipen, in denen Hamburger, Bohnen, Bier und Cola serviert werden, aus blonden Kellnerinnen und bärtigen, rüpeligen Truckern. Hier kann ein Mann noch ein Mann sein, auch wenn er sich dann und wann gegen dämliche Sheriffs und natürliche skrupellose Kapitalisten zur Wehr setzen muss, die in gläsernen Türme in den nur aus Luftaufnahmen bestehenden Metropolen residieren. Das Rückgrat des Landes sind indes Typen wie Luke, die Tag für Tag Meilen fressen, von der Hand in den Mund leben und ihre Gerissenheit dann und wann zu Geld machen – natürlich ohne jemals wirklich jemandem zu schaden. Und diese coolen Typen kennen sich alle, ihr Ruf eilt ihnen förmlich voraus: So kennt man Matt etwa als „Matt, die Klinge“, weil er selbstredend mal einen Rocker aus irgendeiner Bedrängnis herausgehauen hat – was ihm und Luke im Film sehr zu Gute kommt. Ich bekomme immer Lust, Country Music zu hören, wenn ich diese Filme sehe. Die gibt es hier eher nicht, dafür aber Lynyrd Skynyrd. Auch OK. Und der Score von Mauro Paoluzzi ist auch vom Allerfeinsten, bietet viel schwelgerischen Synthiepathos.

Das führt mich zu der einen kritischen Anmerkung, die ich mir hier nicht verkneifen möchte: Ein bisschen seltsam ist es schon, wenn da im tollen Finale eine Hundertschaft von Rockern auf ihren Öfen heranbraust und nicht wenige die Südstaatenflagge gehisst haben. Ja, die gehört zur Rockerfolklore, ich weiß, aber dass dieser Film, der sich doch einer humanistischen „Leben und leben lassen“-Philosophie verschrieben hat, der damit verbundenen Ideologie eine Werbefläche bietet, ist schon etwas enttäuschend oder zumindest: verwunderlich. Und dann fällt einem auf, dass es keinen einzigen Schwarzen im ganzen Film zu sehen gibt (der eine Hispanic hört dann auch noch auf den Spitznamen „Rico, der braune Schlitzer“). Ich will RENEGADE und Hill nichts unterstellen, aber das ist ein Film für Weiße. Ohne wenn und aber. Wahrschelich hat sich keiner der Verantworlichen etwas Böses dabei gedacht, aber es lässt einen noch einmal darüber nachdenken, was struktureller Rassismus eigentlich ist.

Nachdenken ließ mich auch, dass Ross Hill, Terence‘ Adoptivsohn, nur drei Jahre nach diesem Film im Alter von gerade einmal 16 Jahren bei einem Autounfall sein Leben verlor. Er wäre heute 45.

 

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