stewardess school (ken blancato, usa 1986)

Veröffentlicht: Juni 14, 2019 in Film
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POLICE ACADEMY aus dem Jahr 1984 war ein überwältigender Überraschungshit: Mit einem Mini-Budget von 4 Millionen Dollar ausgestattet, avancierte die Komödie in den USA zum sechsterfolgreichen Film des Jahres, spielte dabei ungefähr das Zwanzigfache seiner Kosten ein und zog bis 1994 sechs Sequels nach sich. Dass sich in den folgenden Jahren außerdem zahlreiche Produzenten mit ihren „Akademien“ an den Erfolg anhängten, liegt in der Natur der Sache, aber außer Ramsch für die Grabbelkisten der Videotheken kam nichts dabei herum. Einer dieser Nachzieher ist STEWARDESS SCHOOL (der hierzulande dann auch DIE STEWARDESSEN ACADEMY hieß) und eigentlich ist damit auch schon alles gesagt. Um meiner märtyrerhaft eingehaltenen Chronistenpflicht gerecht zu werden, werde ich aber dennoch etwas mehr in die „Tiefe“ gehen.

Hauptfigur des Films ist der gutaussehende Philo Henderson (Brett Cullen), dessen Traum, Pilot zu werden, an seiner krassen Sehschwäche scheitert, denn seine Colabrillengläser täuschen niemanden über seine Behinderung hinweg. Beim Pilotentraining im Simulator, zu dem er mit Kontaktlinsen antritt, verursacht er leider einen 9/11-mäßigen Crash, weil sein trotteliger Kumpel George (Don Most) mit einem Rempler dafür sorgt, dass ihm die Sehhilfen rausfallen. Diese Beschreibung vermittelt schon einen ganz guten Eindruck von der intellektuellen Tiefe, die den Zuschauer von STEWARDESS SCHOOL erwartet. Aber das ist natürlich nur der Anfang. Um ihren gemeinsamen Traum von der Luftfahrt nicht ganz aufgeben zu müssen, schreiben sich Philo und George in der titelgebenden Schule ein – zusammen mit dem aus dem geistigen Vorbild bekannten Panoptikum greller Klischeefiguren: Es gibt die Punkette Cindy (Corinne Bohrer, u. a. JOYSTICKS), die tollpatschige Kelly (Mary Cadorette), das Busenwunder Sugar Dubois (Judy Landers), die „Dicke“ (Wendy Jo Sperber, Martys Schwester aus BACK TO THE FUTURE), die Schönheitskönigin Pimmy (Julia Montgomery), die rustikale Ringerin Wanda (Sandahl Bergman), den Quotenschwulen Larry (Rob Paulsen) und natürlich die gemeine Ausbilderin Miss Grummet (Vicki Frederick), die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass diese Versager durchfallen. Hintergrund ihrer Missgunst: Sie hält nichts von der Verramschungstaktik ihres Chefs Weidermeyer (William Bogert), die dafür gesorgt hat, dass die Akademie von Trotteln und Sozialfällen überrannt wird. Aber wie es immer so ist in diesen Filmen, rafft sich der Haufen von Halbgebildeten zusammen und schafft es nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Defizite zu triumphieren.

Man mag von POLICE ACADEMY halten, was man will: STEWARDESS SCHOOL jedenfalls zeigt sehr anschaulich, dass es noch deutlich schlechter geht und die Macher des Erfolgsfilmes durchaus das ein oder andere Mal richtig lagen. Hier funktioniert nur wenig, auch wenn das erprobte Rezept sklavisch reproduziert wird. Es fehlen die Details in der Charakterzeichnung, der Drive, das sommerliche Flair und die Gags, obwohl die Messlatte gerade in dieser Hinsicht wirklich nicht allzu hoch lag. Für Blancato ist der humoristische Gipfel offensichtlich erreicht, wenn Männer Frauen in den Hintern kneifen. Und für solche genialen Pointen leistet das Drehbuch mitunter unfassbare Aufbauarbeit: In einer Szene beklagt sich eine alte Dame bei dem Schwulen, dass sie ihren Anschnallgurt nicht anlegen könne. Er prüft die Situation, stellt fest, dass der Gurt verhakt ist und kriecht dann unter ihren Rock, um ihn zu lösen. Just in diesem Moment stolpert seine Kollegin und verliert den Servierwagen, der ihm daraufhin gegen das Hinterteil fährt: Natürlich wird das Resultat mit einem lustigen „Plopp“-Geräusch und dem Close-up auf das enthusiasmierte Gesicht der Oma quittiert. Jesus. Man muss aber einfach feststellen, dass das ganze Flugzeug-Sujet einfach nichts hergibt. Der Witz von POLICE ACADEMY besteht darin, dass Idioten das Gesetz und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten sollen. Welche Aufgabe haben Flugbegleiter, an der man scheitern könnte? Und warum sollte dieses Scheiter witzig sein? Weil jemand Tomatensaft aufs Hemd bekommt? Es ist anzunehmen, dass man sich vor allem deshalb für Stewardessen entschied, weil sich damit die Gelegenheit bot, viele gutaussehende Frauen zu casten und in eindeutig zweideutigen Posen abzulichten, was ich begrüßenswert finde, der Film liefert einfach nicht. Die eine Duschraumszene, die er bietet, hätte ein findiger Exploitation-Mann auch in einem Biopic über Heinrich Böll untergebracht. Aber das Flugzeugsetting bietet nicht nur keinerlei erzählerisches Potenzial, es sieht noch dazu auch noch scheiße aus.

Drei Szenen fand ich einigermaßen witzig: Cindys fetter Bikerfreund Snake (Dennis Burkley) benimmt sich vor ihren reichen Eltern wie die Axt im Wald, rülpst und flucht und schnäuzt beherzt in eine Seidenserviette, begutachtet dann sein Werk und kommentiert es aus dem Off mit „Hm, big chunks.“ Witz Nummer zwei ist die Reaktion der dicken Jolean, als ihr ihre Fluggesellschaft zugeteilt wird: „Stromboli Airlines?“ Die dritte Szene ist weniger ein Gag als vielmehr eine radikale Geschmacksentgleisung, die aus der Tristesse der müden Flachwitze meilenweit heraussticht: Als einer der Passagiere einen durch unfreiwillige Drogeneinnahme induzierten Panikschub bekommt, den die Prüflinge auch mit vereinten Kräften nicht besänftigen können, opfert sich die scharfe Sugar, indem sie sich kurzerhand hinkniet, eine Decke über den Kopf zieht und dem in Spasmen kreischenden Mann einen Blowjob verabreicht. Ich weiß nicht, ob ich dem Film für diesen Einfall dankbar sein soll.

Kommentare
  1. Martin Däniken sagt:

    Brett Cullen,da war doch was…“Person of Interest“
    Dann die imdb gecheckt…immer fleissig immer irgendwas gemacht.
    Einer von erkennbaren Unerkanntlichen!
    Und seien wir ehrlich,diese unterirdischen filme sind nen guilty Pleasure 😉

    • Oliver sagt:

      Ich mag den Begriff „guilty pleasure“ nicht. Man sollte sich für Dinge, die einem Freude bereiten, nicht schuldig fühlen. Schon gar nicht, wenn irgendwelche willkürlichen Ansichten darüber, was gut ist, als Maßstab dienen.

  2. Martin Däniken sagt:

    Entschuldigung,Oliver,ich wollte dir nicht blöd kommen!
    Und ich habe nach gedacht,sprich meine Hamsterin ihren Rädern in Bewegung gesetzt!
    Wenn man von einem anglo-puritanischen Ursprung ausgeht macht „guilty Pleasure “ durchaus Sinn…
    denn ein „unguilty Pleasure“ wäre es etwas das „zum Lobe des Herrns“ Freude bereitet wie Choräle singen,Bibel lesen,Holzhacken fürn Scheiterhaufen;-) u.ä
    Und nix das rein des Spasseswillen Freude macht- ohne Sinn sprich Unsinn/Nonsens
    Dann noch viel Spppppppppaaaaaaaaaaassssssssssss

    • Oliver sagt:

      Ach Quatsch, du bist mir nicht blöd gekommen. Kann ja jeder halten, wie er will.

      Ich verbinde den Begriff des „guilty pleasures“ wie auch das oft gefällte, ähnlich gelagerte Urteil etwas sei „so bad it’s good“ mit komischen Leuten, die Filme anhand irgendwelcher willkürlicher Kriterien in „gut“ und „schlecht“ oder besser „nicht respektabel“ einteilen – damit kann ich nicht so viel anfangen. 🙂

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