joysticks (greydon clark, usa 1983)

Veröffentlicht: Oktober 17, 2011 in Film
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Die Jugendlichen von River City versammeln sich in ihrer Freizeit in der Automaten-Spelhalle des Jungunternehmers Jefferson (Scott McGinnis). Dort gehen ihm der Nerd Eugene (Leif Green) und der gammlige Dorfus (Jim Greenleaf) zur Hand und versuchen einigermaßen Ordnung ins Chaos zu bringen. Als der videospielsüchtige King Vidiot (Jon Gries) nach einem verlorenen Wettkampf gegen Dorfus ausrastet und Hausverbot erhält, nimmt sich der schurkische Joseph Rutter (Joe Don Baker) seiner an, dem die Spielhalle ein Dorn im Auge ist. King Vidiot soll ihm dabei helfen, die Schließung des sündigen Etablissements zu erwirken …

Volltreffer! Die Wertschätzung, die JOYSTICKS im Buch „Destroy all Movies! The Complete Encyclopedia to Punks on Film“ erfahren hat, hat diesen Film, der mir bis vor Kurzem vollkommen unbekannt war, an die Spitze meiner Wunschliste katapultiert. Ihn zu Gesicht zu bekommen war dann aber gar nicht so einfach, weil er nur auf einer mittlerweile vergriffenen RC-1-DVD erhältlich ist, die ihn zudem im falschen Bildformat präsentiert. Dank der wunderbaren Welt des Internets habe ich ihn jedoch ausfindig machen und dieses Wochenende sehen können: Und ich bin dadurch ein anderer Mensch geworden.

Zugegeben: JOYSTICKS ist ein reichlich alberner Teeniefilm, dessen Humor sich auf Zoten und wilden Klamauk beschränkt und der in erster Linie darauf bedacht ist, der Meute zu geben, was sie braucht: Ein, ähem, „fetziger“ Eighties-Soundtrack peitscht den stulligen Plot nach vorn, in regelmäßigen Abständen entblößte Brüste fungieren als Köder, um die männlichen Zuschauer bei Stange zu halten (pun intended), Jugendkultur und alles, was dazugehört, wird enthusiastisch gefeiert und der Bösewicht ist ein spießiger Erwachsener mit Spielverderberambitionen. Das alles wird, man ahnt es schon, zwar auf überaus mäßigem technischen und erzählerischen Niveau dargeboten, doch verbreitet JOYSTICKS dabei ein Laune, die immens ansteckend ist. Greydon Clark liefert Achtzigerjahre-Kino in Reinkultur: Schon die zahlreich abgelichteten Videospielklassiker (und die dazugehörigen Sounds) lassen den Nostalgiker frohlocken, die erwähnte Musikuntermalung – der Titelsong besingt im Refrain „super awesome video games“ – und die Ausstattung des Films tun ihr Übriges. JOYSTICK ist herrlich hysterisch und durchgeknallt, zu keiner Sekunde irgendwie „ambitioniert“, außer in dem Unterfangen, möglichst viel reuelosen Spaß zu verbreiten, ein Sammelsurium bescheuerter Ideen, hirnrissiger Späße und überzeichneter Figuren. Ganz weit vorn ist der großartige King Vidiot, ein hyperbolisch krakeelender New-Wave-Punk mit gebleichtem Gesicht, lilafarbenen Haaren, einer nieten-, sicherheitsnadel- und kettenbewehrten Lederjacke und einem vierköpfigen Tross roboterartig gehorsamer Punkdamen, der den Weltschmerz von Frankensteins Monsters durchs das Dasein als Punk kanalisiert. Er träumt von „wheels“ (und bekommt deshalb später einen Satz Minimotorräder für sich und seine Sklaven geschenkt, die keinen weiteren Zweck haben, als Anlass für eine kurze Fahrsequenz zu bieten), bricht schonmal kreischend zusammen, wenn es nicht so läuft, wie er will, macht einem hässlichen Mann in Frauenkleidern den Hof und frisst vor Freude einen Gummibaum (!), als ihm der Bösewicht für seine Dienste ein eigens Videospiel verspricht. An diesen Irrsinn reichen Charaktere wie Eugene, der ständig furzende Dorfus, das strunzblöde Valley Girl Patsy Rutter (Corinne Bohrer) oder dessen nymphomanische Mutter zwar nicht heran, bewegen sich allesamt noch im Rahmen dessen, was man von solchen Filmen erwarten darf, trotzdem muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass JOYSTICKS nur Klischees reproduzierte. Greydon Clark füllt diese stattdessen mit neuem, drogeninduzierten Leben, lässt die Bremse Bremse sein und seinen Film mit Karacho die Schallmauer durchbrechen. JOYSTICKS ist ein neuer Lieblingsfilm und darf es sich in der Nähe des kaum weniger bekloppten THE PARTY ANIMAL bequem machen. Super awesome!

Kommentare
  1. Frank Stegemann sagt:

    Nächstes Mal bitte mitbringen 😀

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