der hund von blackwood castle (alfred vohrer, deutschland 1968)

Veröffentlicht: Januar 9, 2014 in Film
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Die junge Frau Jane Wilson (Karin Baal) reist nach Blackwood Castle, dem Wohnsitz ihres soeben verstorbenen Vaters, um ihre Erbschaft anzutreten. Das alte, heruntergekommene Schloss, das ihr laut Testament zusteht, will der Anwalt (Hans Söhnker) sogleich für 10.000 britische Pfund verhökern, doch Jane denkt nicht daran. Währenddessen beginnt um das Anwesen das große Sterben: Im nahegelegenen Gasthof Old Inn versammeln sich dubiose Gestalten wie Connery (Heinz Drache) oder Fairbanks (Horst Tappert) und einige von ihnen fallen einem monströsen Hund zum Opfer. Jane Wilson ruft ihren Bekannten, Scotland-Yard-Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) herbei, um hinter das Geheimnis der Morde zu kommen …
 
Bei Eintrag 25 der Wallace-Reihe der Rialto-Film gingen offenkundig bereits die Stoffe aus, die man für die Leinwand adaptieren konnte: DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE ist eine Bearbeitung von Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Roman „Der Hund von Baskerville“ und basiert nur noch lose auf „Motiven“ von Edgar Wallace – was immer das auch heißen mag. Als weitere Neuerung übernimmt Sir John selbst hauptverantwortlich die Ermittlungen, ihm zur Seite steht seine adrette Sekretärin Miss Finley (Ilse Pagé), die sich von dem onkeligen Herren auch häufiger anschmachten lassen muss. Dass ihr das nicht nur gut gefällt, sondern sie ihn zu diesen Avancen gar noch ermutigt, passt zur sleazigen Altmänner-Schmierigkeit, die die einst so aseptische Reihe seit einigen Jahren förmlich übermannt. Für Heinz Drache ist in seinem letzten Wallace-Film immerhin noch Platz für eine Schurkenrolle und Horst Tappert feiert ebenfalls seinen späten Einstand: Er sollte während der Spätphase der Rialto-Wallaces noch zum Stammschauspieler avancieren. Von diesen kosmetischen Änderungen abgesehen, passt sich Vohrers elfter Wallace dem Durchschnittsniveau der Reihe an: Er ist, wie alle der späten, farbigen Wallaces, etwas pulpiger und schundiger als die frühen Beiträge, stärker auf Schauwerte und Gewalt ausgerichtet, inhaltlich jedoch deutlich beliebiger. Der Clou mit dem Hund, dem ein einäugiges Faktotum mit Schlangengift gefüllte Plastikzähne aufsetzt, ist deutlich weniger furchteinflößend, als es sich die Macher vielleicht erhofft hatten: Der arme Dobermann sieht mit seinen krumm und schief abstehenden Pappzähnen aus, als habe er einen veritablen Überbiss, und dass das Gift hier wieder einmal von einer Würgeschlange stammt, deren Biss beim besten Willen nicht tödlich ist, passt  zum Rummelplatz-Charme, den die Farbwallaces noch stärker versprühen als die frühen, schwarzweißen Produktionen. Dabei ist der Plot mit den einstigen verbündeten Kriminellen, die sich nach Jahren treffen, um ihre Beute neu aufzuteilen, so interessant, dass es der albernen „Grusel“-Beigabe gar nicht wiurklich bedurft hätte.
 
Die Edgar-Wallace-Checkliste:
 
Personal: Siegfried Schürenberg (14.), Kurt Waitzmann (7.), Heinz Drache (6.), Harry Wüstenhagen, Kurd Pieritz (5.), Ilse Pagé, Tilo von Berlepsch (4.), Agnes Windeck, Uta Levka, Alexander Engel, Arthur Binder (3.), Karin Baal, Mady Rahl, Rainer Brandt, Heinz Petruo (2.), Horst Tappert, Otto Stern, Paul Berger (1.). Regie: Alfred Vohrer (11.), Drehbuch: Herbert Reinecker (6.), Musik: Peter Thomas (15.), Kamera: Karl Löb (11.), Schnitt: Jutta Hering (8.), Produktion: Horst Wendlandt (22.), Erwin Gitt (3.).
Schauplatz: Blackwood Castle und Umgebung. Gedreht wurde in Berlin, u. a. auf der Pfaueninsel.
Titel: Bezieht sich auf den Hund, der ums Schloss stromert und unliebsame Subjekte aus dem Weg räumt.
Protagonisten: Sir John übernimmt allein die Ermittlungen, Karin Baal gibt das weibliche Opfer, Heinz Drache und Horst Tappert spielen dubiose Männerfiguren.
Schurke: Es gibt gleich mehrere Schurken, die sich gegenseitig umbringen.
Gewalt: Mehrere Hundeattacken, ein Autounfall, Erschießungen.
Selbstreflexion: Alfred Vohrer absolviert einen Cameo-Auftritt, Begrüßungsformel zu Beginn.
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Kommentare
  1. […] zurückgreifen, auf dem er vor einigen Jahren sämtliche Edgar Wallace-Filme besprochen hat. Oliver attestiert dem Film „eine sleazige(…) Altherren-Schmierigkeit, die die einst so aseptische Filmreihe […]

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