matthew mcconaughey romcom-romp: surfer, dude (s. r. bindler, usa 2008)

Veröffentlicht: März 18, 2015 in Film
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SURFER, DUDE passt eigentlich nicht in das von mir für diese Reihe vorgegebene RomCom-Schema. Zwar gibt es eine Liebesgeschichte, die hat aber lediglich Subplot-Charakter. Es geht um den Surfer Steve Addington (Matthew McConaughey), der eines Tages von einer Tour nach Hause kommt, und von seinem Manager Jack Mayweather (Woody Harrelson) erfährt, dass er vollkommen pleite ist. Steve, oder „Add“, wie er von allen genannt wird, interessiert das nicht weiter: Solange er seine Wellen und einen Joint hat, ist er glücklich. Und wer wollte es ihm angesichts der Bikini-Schönheiten, die ihn an den Traumstränden der Welt umgarnen, verdenken? Das Angebot des ehemaligen Surfers Eddie Zarno (Jeffrey Nordling), eines schmierigen Typen ohne Skrupel, an einer von ihm produzierten Reality-Show teilzunehmen, schlägt Add daher ohne lange nachzudenken aus. Doch als plötzlich die Wellen an der kalifornischen Küste ausbleiben, stürzt er in eine tiefe Sinnkrise …

„Das Gegenteil von ,gut‘ ist ,gut gemeint'“: So ließe sich SURFER, DUDE treffend zusammenfassen. Der von seinem Star mitproduzierte Film versucht zum einen, vom Cool der Surferszene zu profitieren, weckt mit seinen Slackerfiguren, die sich ständig mit „dude“ anreden, vom Highwerden und der perfekten Welle schwadronieren, Erinnerungen an das Subgenre der Kifferkomödie, mit esoterischer Freiheitsrhetorik zudem an POINT BREAK, übt sich zum anderen aber auch an „deeper“ Medienkritik mit Elementen des Charakter- und Selbstfindungsdramas. Das alles scheitert leider an der plumpen Holzschnittartigkeit des Entwurfs und so verreckt SURFER, DUDE irgendwo im trostlosen Niemandsland zwischen unwitziger Komödie und zahnloser Satire. Wenn die Alternative zum nonkonformen (eigentlich: umproduktiven) Rumhängen ohne Plan und Richtung das Verkaufen der eigenen Seele an ein diabolisch grinsendes Arschloch ist, ist es ziemlich leicht, für ersteres zu votieren und dafür einzutreten. Grautöne kennt der Film gar nicht, sein Perspektive ist genauso beschränkt wie die seines Protagonisten. Um Adds Dilemma aufzulösen, zaubert das Drehbuch in den letzten zehn Minuten den Deus ex Machina hervor, den reichen Papa von Adds neuem Schwarm, der Journalistin Danni (Alexie Gilmore), der den fiesen Zarno schwupddiwupp rausschmeißt, Add mit Superduper-Vertrag ohne Haken ausstattet und ihn lächelnd mit der Tochter ziehen lässt. Wenn es im echten Leben doch auch nur so wäre. Dass SURFER, DUDE ziemlich dumm ist, wäre indes noch zu verkraften. Was hätte nicht alles ich für eine mit McConaughey und Harrelson besetzte Surferkomödie im Stile der FratPack-Filme gegeben! Leider ist Bindlers Film aber nicht nur aggressiv unkomisch und mit seinem körnig-trüben Digivideo-Look völlig entgegen seinem Sujet auch überaus freudlos anzuschauen, er ist vor allem quälend langweilig – und das bei einer Laufzeit von gerade einmal 82 Minuten. Das ist schon fast eine Kunst: Einen Film über einen kindgebliebenen, attraktiven Surferstar an der Küste Kaliforniens zu drehen, der ganz ohne „Charme“ und Witz auskommt.

Ich habe mich während der Betrachtung gefragt, was schlimmer ist: ein hodenzerquetschender, seelentötendes Machwerk wie THE WEDDING PLANNER oder aber ein „gut gemeinter“, aber eben ohne jede Inspiration, Verstand und Gespür für Dramaturgie hingegurkter Film wie SURFER, DUDE? Sollte mich tatsächlich ein schlechter Mensch vor die Wahl stellen, würde ich mir tatsächlich lieber noch einmal den Schmachtfetzen mit J-Lo anschauen. So mies ist SURFER, DUDE. Finger weg.

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