pretty maids all in a row (roger vadim, usa 1971)

Veröffentlicht: August 14, 2015 in Film
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Wer hätte das gedacht? Wenn der französische Erotomane Roger Vadim in seinem US-Debüt das Drehbuch von STAR TREK-Erfinder Gene Roddenberry verfilmt, kommt dabei eine ziemlich bizarre Sexkomödie mit Serienmörderplot  heraus, in der Rock Hudson sich selbst und Angie Dickinson eine Lehrerin spielt, die nicht weiß, dass sie im Körper eines Lustobjekts steckt.

Der 17-jährige Ponce (John David Carson) steht zwischen den beiden. Er ist noch Jungfrau und wird von Dauererektionen geplagt, weil an seiner Schule nur gut gebaute Supermodel-Kandidatinnen ihren Abschluss zu bauen scheinen. Die Aushilfslehrerin Betty Smith erregt ihn besonders, bekommt jedoch gar nicht mit, dass sie ihm ständig den Po oder die Brüste entgegenstreckt. Als er auf die Toilett flieht, um sich zu erleichtern, findet er die Leiche einer MItschülerin. Captain Sam Surcher (Telly Savalas) leitet die folgenden Ermittlungen, die um den Coach der Footballmannschaft und Schulpsychologen Michael „Tiger“ McDrew (Rock Hudson) kreisen, der Einblick in die Seele des Killers gewähren soll. Direktor Mr. Proffer (Roddy McDowall) hofft indesen vor allem, dass der Mordfall die Austragung des wichtigen Footballspiels nicht gefährdet.

Vadims Film ist einerseits eine satirische Auseinandersetzung mit amerikanischen Wertvorstellungen, andererseits ein fast philosophisch angehauchtes Bekenntnis zum ungehemmten Sex. Rock Hudson gibt den Mann gewordenen amerikanischen Traum, vor dem Frauen zitternd in die Knie gehen, und Männer andächtig lauschen, auf das etwas von seiner Magie auf sie überspringe. „Tiger“ kann alles: Als Psychologe trägt er zur rekordverdächtigen Abschlussquote der Schule bei, das Footballteam treibt er von Erfolg zu Erfolg, er hat eine wunderschöne Ehefrau sowie ein bezauberndes Kind, und er befriedigt jeden sexuellen Wunsch, der ihm entgegengebracht wird. Es gelingt ihm sogar, seine gelegentllichen Morde nicht mit seinem Selbst in Konflikt treten zu lassen. Und er züchtet mit Ponce sogar einen Nachfolger heran, als er den mit der ahnungslosen Mrs. Smith verkuppelt.

Ich finde PRETTY MAIDS ALL IN A ROW gar nicht so seltsam wie Nathan Rabin in diesem trotzdem sehr lesenswerten Text, der den Film so umfassend behandelt, dass mir kaum noch etwas einfällt. In seiner zynischen Überführung utopischer Freier-Liebe-Klischees in einen albtraumhaften amerikanischen Narzissmus ist er sehr Kind seiner Zeit, gleichzeitig half es wohl, dass ein Europäer hinter der Kamera stand, der von außen auf diese spezielle Form des entitlements blicken konnte, die „Tiger“ McDrew idealtypisch verkörpert. Nietzsche schwebten für seinen Übermenschen sicherlich höhere Ideale vor, „Tiger“ liefert eine sehr weltliche Intepretation der nietzscheanischen Philosophie ab: Ficken, was bei drei nicht auf dem Baum ist, umbringen, was danach noch Schwierigkeiten bereitet, und sich keinen Kopf drum machen. Wer so geil ist, für den gelten Ausnahmeregeln. Was PRETTY MAIDS ALL IN A ROW von ähnlichen Gesellschaftssatiren unterscheidet, ist die Abwesenheit jeder Bitterkeit. Unsympathisch ist dieser „Tiger“ niemals, im Gegenteil. In einer durch und durch oberflächlichen Welt ist er sogar der einzige, der authentisch und ehrlich wirkt. Und Rock Hudson, dessen langsam aus den Fugen geratender Körper dekadente Maßlosigkeit und Genussfreude widerspiegelt, ist ein geradezu brillanter Besetzungscoup. Definitiv ein Film für einen zukünftigen Hofbauer-Kongress.

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Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Ich habe den einmal gesehen, und habe irgendwie überhaupt keine Meinung dazu.
    Er war ganz witzig, wenn man damit klarkommt, das hier ein Mädchenmörder Symphatieträger ist.
    Ich kann aber auch die Leute verstehen, die dem Film Frauenfeindlichkeit unterstellen.
    Auf jeden Fall ein Film, der so, heute undenkbar wäre.

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