a stranger is watching (sean s. cunningham, usa 1982)

Veröffentlicht: November 13, 2016 in Film
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a-stranger-is-watching-movie-poster-1982-1020437597A STRANGER IS WATCHING, EYES OF A STRANGER, SOMEONE’S WATCHING ME: Drei Filme, die ich immer durcheinanderbringe. Letzterer ist ein von Carpenter fürs Fernsehen inszenierter Thriller, EYES ein Serienmörderfilm mit garstigen Effekten von Tom Savini. Cunninghams direkter Nachfolger des megaerfolgreichen FRIDAY THE 13TH, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Mary Higgins Clark, liegt ziemlich genau zwischen den beiden. Man merkt ihm an, dass Cunningham nach dem von der Kritik weitgehend als Bodensatz verrissenen Vorgänger etwas „Respektables“ vorlegen wollte, aber auch, dass er einen „Ruf“ zu verteidigen und Erwartungen zu erfüllen hatte. A STRANGER IS WATCHING ist ein Großstadtthriller, der sich bei Hitchcock, dem Meister des Genres bedient, aber sich die Gewaltspitzen nicht ganz verkneifen mag.

Die kleine Julie (Shawn von Schreiber) musste vor zwei Jahren mitansehen, wie ihre Mutter, die Gattin des Zeitungsverlegers Steve Peterson (James Naughton), von einem Eindringling vergewaltigt und umgebracht wurde. Der damals festgenommene Ronald Thompson (James Russo) beteuerte seine Unschuld, erwartet nun aber die Exekution – die erste seit mehreren Jahrzehnten in New York vollstreckte. Während eine heiße mediale Diskussion um die Todesstrafe tobt, in die auch die Journalistin Sharon Martin (Kate Mulgrew) involviert ist, pikanterweise die Geliebte von Peterson, taucht der Mörder von einst wieder auf. Artie Taggart (Rip Torn) verschafft sich erneut Zugang zum Haus der Petersons und verschleppt Julie und Sharon in einen Kellerraum irgendwo im New Yorker U-Bahnnetz …

A STRANGER IS WATCHING ist ein kompetent gemachter Thriller, dessen Reiz auch darin besteht, dass er nicht alles ausformuliert. Wer ist dieser Taggart eigentlich? Mit Lederkappe und -jacke weckt er Assoziationen zur damals sehr aktiven schwulen Lederszene (siehe CRUISING oder auch NEW YORK CITY INFERNO), auch das verliesartige Untergrundszenario passt dazu, aber inhaltlich wird die sexuelle Komponente nie wirklich ausformuliert, aber sie schwingt immer mit. Das Drehbuch konzentriert sich auf die Gegenüberstellung des hilflos wartenden Vaters und dem Kampf der beiden Opfer, die verzweifelt versuchen, aus ihrer misslichen Lage zu entkommen. Am Ende ist es dann auch nicht die Polizei, die dem Killer ein Ende setzt, sondern weibliche Entschlossenheit und Tatkraft. Irgendwie ist A STRANGER IS WATCHING auch ein Rape-and-Revenge-Film (in der Romanvorlage wurde kein Mädchen, sondern ein Junge entführt), in dem es um tief im Inneren verborgene männliche Aggression und sexuelle Frustration geht: In einer Szene wird Taggart auf einer öffentlichen Toilette von den Mitgliedern einer Gang verdroschen. Ein guter Thriller, dem man lediglich etwas mehr Mut gewünscht hätte, offener mit seinen Implikationen umzugehen.

Kommentare
  1. […] Sean S. Cunnighams „Freitag, der 13.“-Nachfolger „A Stranger is Watching“ war mir bisher gänzlich unbekannt. Dank Oliver Nöding und seinem Blog Remember It For Later habe […]

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