freddy vs. jason (ronny yu, usa 2004)

Veröffentlicht: Juni 2, 2015 in Film
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freddyjason1Mehr als 10 Jahre, nachdem der Zweikampf der Achtzigerjahre-Popcorn-Horrorfilm-Ikonen mit der Schlusseinstellung von JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY angeteasert worden war (und genau zehn Jahre nach Freddy Kruegers letztem Leinwandauftritt), war es endlich soweit: Inszeniert von Hongkong-Veteran Ronny Yu, der ja schon der Mörderpuppe Chucky zu einem grandiosen Comeback mit BRIDE OF CHUCKY verholfen hatte, erblickte der seit Ewigkeiten im Development-Limbo schwebende FREDDY VS. JASON das Licht der Welt. Was gut und gern ein peinliches Marketing-Vehikel hätte werden können, geriet auch Dank Yus untrüglichem Gespür für markante Bilder und schrägen Witz zum postmodernen Popkultur-Festival, dessen vordergründig angenehm bestusste Story die ein oder andere Wahrheit über ihre Protagonisten, ihre jeweiligen Serien, die gesellschaftliche Funktion von Horrorfilmen und ihre marktwirtschaftliche Ausschlachtung generell hinter einem reizvoll oszillierenden Smokescreen verbarg.

Ich muss hier kurz auf den Inhalt eingehen, damit klar wird, worauf ich hinaus will: Im Jenseits beklagt Freddy seinen Status als machtlos Vergessener. Weil die Autoritäten an seiner ehemaligen Wirkungstätte jede Spur seiner einstigen Taten getilgt haben, sich mithin keines seiner potenziellen jugendlichen Opfer mehr an ihn erinnert und ihn demzufolge auch nicht mehr fürchtet, bleiben ihre Träume für ihn verschlossen. Um sich neuen Respekt zu verschaffen, benötigt er Hilfe: einen Killer, dessen Taten dem ehemaligen Kindermörder zugerechnet werden und ihm zu neuer „Popularität“ verhelfen. Seine Wahl fällt auf Jason, das unbesiegbare Muttersöhnchen vom Crystal Lake. Jason, Einfaltspinsel, der er ist, ist nicht weiter wählerisch und meuchelt sich munter durch Suburbia, wo der Name „Freddy Krueger“ bald schon wieder die Runde macht. In einer Heilanstalt bekommen auch zwei einstige Freddy-Geschädigte davon Wind: Weil sie ahnen, dass die Polizei alles tun wird, die Wahrheit nicht ans Licht kommen zu lassen, brechen sie aus, um die anderen Kids zu warnen, nicht ahnend, dass sie dem Traumdämon damit direkt in die Karten spielen. Während Freddys Macht anwächst und es ihm ermöglicht, die Albträume der Jugendlichen heimzusuchen, denkt Jason gar nicht daran, sich wieder auf sein Altenteil zurückzuziehen.  Den sich anbahnenden Konkurrenzkampf machen sich die Überlebenden zunutze. Am Crystal Lake kommt es zum großen Showdown …

FREDDY VS. JASON reizt sein Mash-up-/Crossover-Prinzip wunderbar aus: Er schmeißt nicht nur die beiden Hauptfiguren zusammen, sondern auch die unterschiedlichen Stile, die ihre jeweiligen Filme verkörperten. Zunächst ist Yus Film ein neuer Teil der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe mit Jason als Nebenfigur. Das ist insofern folgerichtig, als Freddy natürlich der erzählerisch interessantere, weil intelligentere Charakter ist: Der stets tumben Gewalt Jasons setzte er sophistication, Humor, Showmanship und mörderische Kreativität entgegen. Das spiegelt sich auch in FREDDY VS. JASON wider, der den Slasher mit der Eishockeymaske als ahnungslosen enforcer Freddys diabolischer Pläne einsetzt. Aber im Verlauf des Films zeigt sich dann auch, dass die vermeintliche Stärke des einen gleichzeitig sein wunder Punkt ist, die Stumpfheit des anderen hingegen durchaus eine Tugend. Es ist ja, betrachtet man den Verlauf des Freddy-Franchises, eher so, dass nicht das Vergessen sein Ende bereitete, sondern die schiere Überpräsenz. Eine eigene Fernsehserie, Poster, Musikvideos, Comics und zahlloses andere Merchandising sowie die Arroganz, mit der der einstige Kindsmörder sich zur Entertainment-Größe stilisierte, unterminierten seinen Status als Schreckgespenst soweit, dass er bald zum Helden derer wurde, die sich eigentlich vor ihm fürchten sollten. Jason hingegen war und blieb immer der Underdog, im Grunde genommen ein Leidensgenosse all jener, die genau wussten, wie das ist, wenn man derjenige ist, der die Körbe bei den begehrten Mädels oder Jungs einsammelt, beim Schulsport als letzter gewählt wird, für den Dreidollarhaarschnitt verhöhnt wird und zur Dickleibigkeit neigt. Man jubelte Jason zu, weil er auch ein Stück Gerechtigkeit verkörperte, er war so ein bisschen der Robin Hood der Ungefickten. So konnte Jason zu einer Zeit das Weltall erobern, als sich für Freddy keine Sau mehr interessierte. Und es war ein FRIDAY THE 13TH-Film, der das Interesse an ihm wiedererstarken ließ. FREDDY VS. JASON macht das sehr explizit: Freddy braucht Jason, um seine Renaissance zu feiern. Jason weigert sich hingegen auch hier weiterhin, sich von anderen in ein teleologisches Konzept pressen zu lassen, er ist der Geist, der stets entbeint. Er schlachtet einfach immer weiter, auch wenn sein narrativer Zweck längst übererfüllt ist. Freddy muss mitansehen, wie sein kühn ausgeklügelter Plan in die Binsen geht, weil er nicht mit der Steh-Auf-Männchen- und Duracell-Hasen-Mentalität seines Handlangers gerechnet hat.

Ronny Yu kann also auf ein starkes Konzept zurückgreifen, aber sein Film erschöpft sich nicht darin. Vor allem Jason erlebt eine echte Frischzellenkur. Kane Hodder trug zum ersten Mal seit JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH PART VI nicht mehr die ikonische Eishockeymaske, statt eines Brachialgewalt verkörpernden Hünen schlüpfte ein Darsteller in die Rolle, der mit Schunkelbirne und flusenhaarigem Babyschädel wieder das kindliche Opfer – und damit ein natürliches Opfer Freddys – verkörperte. Die der Figur inhärete Tragik, die die Kernserie nach FRIDAY THE 13TH PART II immer nur anschnitt, rückt Yu wieder mehr in den Mittelpunkt, etwa in einer Szene, die das Schlüsselereignis von Jasons Leben, sein durch Fahrlässigkeit begünstigtes Ertrinken, zum ersten Mal in aller Ausführlichkeit zeigt. Die logische Konsequenz ist der Versuch, das bewusstlos in einem Traum mit Freddy gefangene Slashermonster per Mund-zu-Mund-Beatmung ins Leben zurückzuholen. Aber natürlich bietet der Film über solche strukturalistischen Kniffe hinaus vor allem jede Menge Stoff der Art, wie sie Freunde beider Reihen sehen wollen: In Freddys Lair, dem gothisch-märchenhaft verzerrten boiler room, angesiedelte Albträume, plötzlich wegdösende Teenies, verwischende Grenzen zwischen Traum und Wachsein, sexuell zweideutige Come-ons sowie Stalk’n’Slash-Orgien mit einem brennend durch ein Maisfeld walzenden, mitleidlosem Jason. Humoriger Höhepunkt für mich ist eindeutig die Szene, in der die einen Kampfplan suchenden Kids dem hirnverdrehenden Plotkonstrukt innerhalb weniger Gedankengänge auf die Schliche kommen. So clever waren selbst die Nerds aus Wes Cravens SCREAM nicht.

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