guardians of the galaxy (james gunn, großbritannien/usa 2014)

Veröffentlicht: Februar 14, 2015 in Film
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Das Hypebeast des vergangenen Jahres, der Film, der allen Nerds kollektiv feuchte Höschen bescherte und sie endlich die Renaissance des Feelgood-Popcorn-Genrefilms ausrufen ließ, die sie schon hinter den letzten ca. 325 Comic- oder Computerspielverfilmungen sehnsüchtig vermutet hatten, nur um sich dann angesichts des nächsten ihre Kindheitsträume schändenden, zutiefst kompromittierten Rohrkrepierers doch wieder schmollend in ihre mit verklebter Lara-Croft-Fan-Fiction übersäter und mit Anime-Porn ausstaffierter Onanierecke verkriechen zu müssen.

Der neueste Beitrag zum expandierenden (und demnächst ja auch um Spider-Man bereicherten) Marvel-Filmuniversums basiert auf einer vergleichsweise aktuellen Heftserie aus dem Jahr 2008 (die aber die Fortsetzung einer bereits in den Sechzigerjahren gestarteten Reihe ist). Möglicherweise war das auch der Grund für den Erfolg dieses Films: Anders als Spider-Man, Captain America, Hulk, Iron Man oder Thor sind die Helden von GUARDIANS OF THE GALAXY noch nicht zu popkulturellen Ikonen herangereift, mit denen nahezu jeder potenzielle Zuschauer etwas verbindet und an deren Umsetzung im Film er daher notgedrungen gewissen Erwartungen knüpft. Regisseur James Gunn, dessen Retro-Science-Fiction-Schleimer SLITHER mir seinerzeit sehr viel Spaß bereitet hatte, geht recht unbekümmert mit seinem Stoff um, ohne Ehrfurcht vor einem comicliterarischen Erbe, das ja noch gar nicht besteht, inszeniert mit Verve und Tongue in Cheek und befreit GUARDIANS OF THE GALAXY so von auch der etwas nervtötenden Ernsthaftigkeit, die die Marvel-Verfilmungen manchmal so anstrengend macht. Dankenswerterweise versucht er nicht, den zugrunde liegenden Comic auf Gedeih und Verderb in Richtung Seriosität und Relevanz umzubiegen, sondern konzentriert sich ganz auf Spaß und bunte Bildchen. Das Design bietet viele Schauwerte, ohne überkandidelt zu wirken, und der schmissige Pop-Soundtrack – wenn auch nicht die Neuerfindung des Rades, zu der ihn viele nach Sichtung des Films gemacht haben – trägt ebenfalls seinen Teil zum aller Weltraumapokalypse zum Trotz fröhlich-vergnügten Ton des Films bei. Die Darsteller lassen sich davon sichtlich anstecken, ganz gleich, ob sie nun mit vollem Körper- oder aber nur Stimmeinsatz agieren. Der Schlüssel zum Erfolg sind sicher die Figuren: kein Tross von der Schwere ihrer Verpflichtung niedergedrückter Übermenschen, sondern ein bunch of misfits, kleinkriminelle Halunken mit seltsamen Marotten. Drax, the Destroyer (Dave Bautista) begreift das Konzept von bildlicher Rede nicht, der Baummensch Groot (Vin Diesel) verständigt sich mittels unterschiedlicher Betonung ein und desselben Satzes („I am Groot.“), der genetisch manipulierte Waschbär Rocket (Bradley Cooper) ist ein cholerischer Sadist. Das verändert die Dynamik des Films gegenüber etwa THE AVENGERS, bei dem die Kameradschaft der einzelnen Teammitglieder eher ein Nebenaspekt war. Die Verlierer in GUARDIANS OF THE GALAXY müssen ihre Animositäten erst überwinden, um zu Helden zu werden.

Ich habe den Film zweimal gesehen: Beim ersten Mal bin ich pünktlich zum Showdown eingeschlafen und war danach eher unterwältigt. Bei der Zweitsichtung ohne Einschlafen gefiel mir der Film deutlich besser. Er ist gewiss nicht das makellose Wunderwerk, das hysterische Nerds aus ihm machen wollen: Wie fast alle jüngeren Marvel-Comicverfilmungen krankt auch dieser etwas an seinem gesichtslosen Plot, in dem es mal wieder um ein weltenvernichtendes device geht, ein denkbar gesichtsloser McGuffin, der nur dazu da ist, den bunten Reigen von Actionsequenzen anzustoßen. Erwartet man wirklich zu viel von einem Superheldenfilm, wenn man sich nur einmal eine richtige Geschichte wünscht? Auch warum ein solches Werk dann trotzdem mindestens zwei Stunden Laufzeit haben muss, erschließt sich mir nicht. Aber gut, die Zeiten von knackigen 80–90-Minütern scheinen ja eh vorbei zu sein und offensichtlich fällt es unter Value for Money, die Zuschauer auf Gedeih und Verderb für 120 Minuten an den Kinositz zu fesseln. GUARDIANS OF THE GALAXY wird so streckenweise redundant und aufgebläht, was so gar nicht zu seinen eher bescheidenen Heldenfiguren passen will, genauso wenig wie das unvermeidliche Pathos, das am Ende sein hässliches Haupt erhebt, nachdem Gunn es zuvor erfolgreich auf Distanz gehalten hatte. Ich musste nach der Sichtung mehrfach an den zuletzt wiedergesehenen STARCRASH, der im Spirit durchaus verwandt ist mit GUARDIANS OF THE GALAXY, aber diese Flüchtigkeit, die der Kern von Popkultur ist, auch in seiner äußeren Form bewahrt. Aber das war eine andere Zeit und Bescheidenheit passt wohl nicht mehr zum heutigen Verständnis von Kino. Aber genug des Meckerns, GUARDIANS OF THE GALAXY hat mir Spaß gemacht und das ist mehr, als von den letzten Marvel-Filmen sagen kann.

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