hello mary lou: prom night ll (bruce pittman, kanada 1987)

Veröffentlicht: Dezember 7, 2016 in Film
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1987-hello-mary-lou-prom-night-ii-poster1Paul Lynchs PROM NIGHT ist einer der allerersten Slasherfilme, erschien nur zwei Monate nach dem genrestiftenden FRIDAY THE 13TH und das auch nur, weil die Produktionsfirma Avco Embassy sich weigerte, ihren Film an die Paramount abzugeben. Die setzte daraufhin auf Cunninghams Werk und der Rest ist Geschichte. PROM NIGHT war trotzdem ein finanzieller Erfolg, wenn er auch an das Phänomen des direkten Konkurrenten nicht anknüpfen konnte. Dafür hatte er Jamie Lee Curtis an Bord, die Patin aller Scream Queens, und Leslie Nielsen. Ich habe den Film bislang zweimal gesehen und dabei wird es aller Voraussicht nach auch bleiben, denn ich finden ihn wirklich furchtbar öde. Das ist hier anders.

Warum es über sechs Jahre dauerte, bis man sich dazu entschied, ein Sequel aus der Taufe zu heben, weiß ich nicht, doch sehr wahrscheinlich waren es vor allem kommerzielle Erwägungen, den etablierten Namen noch einmal zu nutzen. HELLO MARY LOU: PROM NIGHT II hat nichts mit dem Vorgänger zu tun, außer dass er wie jener zur Prom Night auf einer High School spielt und die horriblen Vorgänge auf einen in der Vergangenheit liegenden tödlichen Unfall zurückzuführen sind (was ja für fast alle Slasherfilme gilt). Ansonsten wird weder an die Ereignisse des ersten Teils angeknüpft, noch werden Figuren aus diesem  aufgegriffen, noch gehört HELLO MARY LOU überhaupt zum selben Subgenre. Statt sich an den 1987 bereits in zahlloser Auswahl in den Videotheken bereitliegenden Slasherfilmen mit ihren traumatisierten, aber meist sehr weltlichen Serienkillern zu orientieren, widmet sich HELLO MARY LOU übersinnlichen Kräften und fantasievollen Effekten, die in Einfallsreichtum und Farbigkeit eher an die Ergüsse der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe gemahnen. Sicherlich nicht die schlechteste Referenz für ein Sequel, das anno 1987 von den allerwenigsten lautstark gefordert wurde.

So wird die Protagonistin Vicky Carpenter (Wendy Lyons) Opfer seltsamer Halluzinationen, während derer sich die sterilen Schulkorridore in modrige Tunnel verwandeln, ihr Schaukelpferd in einen lüstern mit der Zunge schleckenden, rotäugigen Hengst, eine Tafel in einen schwarzen Tümpel und schließlich sie selbst sich in die geile titelgebende Mary Lou, die in den Fünfzigerjahren dem Zorn eines gehörnten Liebhabers zum Opfer fiel und nun auf Rache sinnt. Pittman, dessen ansehnlichen MARK OF CAIN ich hier mal besprochen habe, macht das ganz clever: Er bietet etwas soapoperesken Teeniekram mit etwas Okkultismus-Gedöns, hübschen Make-up- und Spezialeffekten, Musik und natürlich viel Humor. Der kleine Gag, Figuren nach berühmten Genre-Regisseuren zu benennen (Carpenter, Henenlotter, Waters, Browning, Craven, Dante, Wood, O’Bannon, King und Romero), war 1987 nicht mehr neu, aber er zeigt, wes Geistes Kind HELLO MARY LOU: PROM NIGHT II ist. Die Spielart des quietschbunten, selten wirklich horriblen, aber im besten Fall fantasie- und humorvollen Achtzigerjahre-Horrorfilms repräsentiert Pittmanns CARRIE-Remeiniszenz jedenfalls ziemlich perfekt und damit besser als so manch anderer, berühmterer Vertreter. Ein schöner kleiner Film, der seinen Vorläufer mit links in die Tasche steckt.

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