15. hofbauer-kongress: das spukschloss im salzkammergut (hans billian/rolf olsen, deutschland 1966)

Veröffentlicht: Januar 10, 2016 in Film
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das_spukschloss_im_salzkammergutAuch bekannt unter dem Titel HOCHZEIT IM SALZKAMMERGUT, markiert dieser Film das Ende der lukrativen Schlagerreihe der Produktionsfirma Music House. Warum man nicht weitermachte, ist mir nicht bekannt, aber dieser letzte Eintrag zeigt doch schon überdeutliche Zerfallserscheinungen, wirkt ranzig und verzweifelt, wo vorangegangene Beiträge, wie etwa ÜBERMUT IM SALZKAMMERGUT, ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT oder TAUSEND TAKTE ÜBERMUT, noch sehr selbstbewusst mit viel Starpower inszenierte, bunt, schwungvoll und lebendig daherkommende Entertainmentbomben waren. Selbstbewusst ist SPUKSCHLOSS auch, aber anders: Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass Billian und Olsen um die diversen Lackschäden und Rostflecken ihres Produkts sehr genau wussten. Anstatt sie zu kaschieren, werden sie aber augenzwinkernd mitinszeniert, alles andere wäre wahrscheinlich hoffnungslos gewesen.

Die „spektakulärste“ Sequenz des Films, der er seinen Namen verdankt und bei der die Akteure in Gruselmasken durchs Schloss geistern, wird bereits in der Titlesequenz verheizt und verpufft dann erwartungsgemäß bei ihrem zweiten Einsatz. Eine vollkommen unnötige, wahrscheinlich nachträglich hinzugefügte Rahmenhandlung existiert wohl zu dem einzigen Zweck, mit Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer noch zwei weitere „Stars“ im Film unterbringen zu können. Vielleicht hatte man gemerkt, dass mit Udo Jürgens als Hauptdarsteller kein Blumentopf zu gewinnen war: Das Drehbuch hat ihm nicht nur eine unmögliche Arschlochrolle verpasst, in der er seine Verlobte (Gertraud Jesserer) des „Größenwahns“ bezichtigt, bloß weil sie eigene Karrierepläne verfolgt, anstatt sich vom Schlagerzampano aushalten zu lassen, der Sänger agiert auch ohne jeden Witz und humoristisches Talent, das zuvor selbst ein Gus Backus an den Tag gelegt hatte. Auch mit kleineren Details, wie einzelnen Dialogzeilen, scheinen sich Billian und Olsen immer wieder von ihrem Werk zu distanzieren, etwa wenn die wunderbare Ruth Stephan in ihrer Rolle bemerkt, sie fühle sich wie in einer „Schlagerklamotte“. So gesehen spiegelt der ganze Plot um eine dilettantische Theaterproduktion, deren geringe Erfolgschancen durch das Auftauchen einer großen Schlagerrevue noch weiter minimiert werden, die missliche Lage wider, in der sich Music House anno ’66 offensichtlich befand. Kein Wunder, dass die Szenen um die Schauspielertruppe dann auch die schönsten sind, hingegen ein deutliches Krachen im Getriebe zu vernehmen ist, sobald die Schlagerfuzzis auftauchen. Da singen die „Candy Kids“, zwei brasilianische Kinder, ihren Hit „Bimmelbahn“ doch tatsächlich in einem Bus und Peggy March muss schon dreimal auftreten, um den Schein zu wahren. Nahezu jeder Gag geht baden und im supertristen Finale latscht das ganze Ensemble zu Musik aus dem Off über eine Wiese. Die seltsamste Szene hat aber Hannelore Auer, die als sie selbst mit Manfred Schnelldorfer im „Weißen Rössl“ einkehrt und dort von der Kellnerin einen Stapel Teller bekommt, weil sie doch so eine „begnadete Tellermalerin“ sei. Schade, dass es darüber keinen Film gibt.

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